73 Prozent fürs Bargeld – doch Basels 363 neue Billettautomaten nehmen keins
Wer in Basel am Billettautomaten bar zahlen will, hat voraussichtlich ab Ende 2027 Pech: Die BVB stellen 363 neue Geräte auf, die nur Karte und Twint nehmen. Dabei hat die Schweiz im März mit 73 Prozent Ja das Bargeld in die Verfassung geschrieben.

Darum gehts
- 65 Basler Automaten fallen ersatzlos weg, 19 neue kommen an Haltestellen, die bisher keinen hatten.
- In BLT-Bussen kann man seit Dezember 2025 nicht mehr bar beim Chauffeur zahlen.
- Laut Regierungsrat spart das Geld: Ein Automat ohne Bargeld kostet rund halb so viel, der Unterhalt rund 60 Prozent weniger.
- Für Barzahler bleibt eine Prepaid-Karte, die man am Schalter mit Bargeld auflädt.
Basel stimmte am 8. März dem Gegenentwurf sogar deutlicher zu als der Durchschnitt: Im Stadtkanton sagten 76 Prozent Ja zum Gegenentwurf, landesweit stimmten alle Kantone zu. Die weitergehende Initiative «Bargeld ist Freiheit» fiel dagegen mit 54,4 Prozent Nein durch.
Seither steht im Währungsartikel der Bundesverfassung, dass der Franken die Währung der Schweiz ist und die Versorgung mit Bargeld gewährleistet ist.
«Diesen Umweg muss man machen, wenn man weiterhin mit Bargeld unterwegs sein will.»
Was das Volks-Ja am Automaten bewirkt
SRF hielt nach der Abstimmung fest, dass weder Initiative noch Gegenentwurf praktische Auswirkungen haben. Es entstünden weder neue Aufgaben noch zusätzliche Kosten.
Ob Bus- und Trambetriebe wegen des neuen Artikels Bargeld annehmen müssen, hat bisher keine Behörde verbindlich beantwortet. Schon 2017 schrieb der Basler Regierungsrat, für die Zahlungsmittel beim Billettkauf seien die Transportunternehmen zuständig. Er sehe keinen Grund, regulatorisch einzugreifen.
«Es darf niemand ausgeschlossen werden, der nicht digital unterwegs sein will oder kann.»
Halb so teuer: Darum setzt Basel auf Karte und Twint
Für die neuen Geräte springt der Kanton mit einem Darlehen ein. Am 10. Februar bewilligte der Regierungsrat den BVB ein Darlehen von rund acht Millionen Franken. Die heutigen Automaten stehen seit rund 20 Jahren an den Haltestellen. Wegfallen werden laut bz vor allem Geräte an grösseren Haltestellen wie dem Aeschenplatz oder dem Bahnhof SBB.
Der Verzicht aufs Bargeld spart laut Regierungsrat gleich doppelt: Ein bargeldloser Automat kostet rund halb so viel wie einer mit Bargeldfunktion. Der Unterhalt ist rund 60 Prozent günstiger, weil niemand mehr Kassen leeren und das Geld einzahlen muss.
Im Grossen Rat verteidigte Verkehrsdirektorin Esther Keller die Geräte, wie die Basler Zeitung berichtet: Sie seien weniger störungsanfällig. SP-Grossrätin Michela Seggiani kritisierte die Umstellung. Im ganzen Tarifverbund Nordwestschweiz braucht es rund 500 Automaten.
Im Baselbieter Bus geht es schon heute nur ohne Bargeld
Wer bei der BLT einsteigt, findet beim Chauffeur keinen Billettverkauf mehr. An seine Stelle trat das Gerät «Tap and Ride»: Man hält eine Debit- oder Kreditkarte von Visa, Mastercard oder PostFinance hin oder eine öV-Wertkarte. Die Wertkarten gibt es an den Verkaufsstellen von BLT, BVB und SBB, wo man sie auch bar aufladen kann.
Bar zahlte laut SRF zuletzt nur noch etwa ein halbes Prozent der BLT-Kundschaft, also rund jeder 200. Fahrgast. «Diesen Umweg muss man machen, wenn man weiterhin mit Bargeld unterwegs sein will», sagte BLT-Direktor Frédéric Monard laut SRF.
Sara Stalder von der Stiftung für Konsumentenschutz hält laut SRF dagegen: «Es darf niemand ausgeschlossen werden, der nicht digital unterwegs sein will oder kann.»
So zahlst du weiterhin mit Noten und Münz
Die Lösung heisst Prepaid Card. Alliance Swisspass gibt sie seit dem 2. Dezember 2025 heraus. Die Karte ist anonym, übertragbar und wiederaufladbar, beim Kauf lädt man mindestens 10 Franken, ein Depot gibt es nicht.
Erhältlich ist sie an praktisch allen bedienten Verkaufsstellen der Transportunternehmen, in Basel laut BVB zum Beispiel im Kundenzentrum am Barfüsserplatz. Der Haken: Bar aufladen kann man sie nur am Schalter, nicht am Automaten.
Bis 2027 baut Alliance Swisspass ein Verkaufsnetz für die Karte auf. In einem einjährigen Pilotversuch verkaufen sie bereits ausgewählte Postfilialen in den Kantonen Basel-Landschaft, Bern, Solothurn und Freiburg.
Mehrfahrtenkarten bleiben ebenfalls möglich: Die neuen BVB-Automaten entwerten sie elektronisch. Für die Stempelkarte ist laut Basler Zeitung eine Nachfolgelösung geplant.
BLS ohne, Bernmobil und SBB mit Münz: Wo du am Automaten noch bar zahlst
Basel steht nicht allein. Die BLS tauschte ihre Billettautomaten laut Plan von Dezember 2025 bis Mitte 2026 aus, an den neuen Geräten zahlt man bargeldlos. Bargeld verteuere den Betrieb, und Münz- und Notenprüfer seien störungsanfälliger, begründet die Bahn. Ausnahme sind die Kantone Luzern und Neuenburg: Dort nehmen die BLS-Automaten im Auftrag der Kantone weiterhin Münzen.
Bernmobil hat seine neuen Geräte gemeinsam mit BLS, RBS und den Verkehrsbetrieben Biel beschafft, bleibt laut Keystone-SDA aber beim Münz. Beim RBS zahlt man an den Automaten in den Bahnhöfen weiter bar, in den RBS-Bussen nicht mehr.
Am SBB-Automaten funktionieren Franken-Münzen, Franken-Noten und Euro-Noten weiterhin. Die neuen Geräte geben bis 99.90 Franken Retourgeld in Noten und Münzen.
In Zürich verlangte Kantonsrat Manuel Sahli im Dezember 2025 mit einem Postulat einen Bericht, wie man im ZVV-Gebiet weiterhin alle Verkehrsmittel mit Bargeld nutzen kann. Der Regierungsrat hielt am 25. März fest, dass man Billette weiterhin an ZVV-Ticketautomaten und Verkaufsstellen bar kaufen kann. Beim Fahrpersonal verkauft der ZVV seit Ende 2024 keine Billette mehr.
Verschwinden die Automaten bis 2035 ganz?
Weniger Automaten und weniger Münz: Der Trend läuft schon länger, wie SRF-Berichte zeigen. In Davos endete der Barverkauf im Bus im Winter 2023/2024. Die SBB wollten ihre Automaten von rund 1460 im Jahr 2018 auf rund 1050 Ende 2023 reduzieren, mehr als jeder vierte wäre damit weg.
2022 ging Alliance Swisspass davon aus, dass bis 2035 alle Reisenden mit dem Handy bezahlen können und die Billettautomaten bis dann verschwinden. Am 2. September 2026 schrieb die Organisation, es gebe keinen Beschluss, wonach innert zwei oder drei Jahren schweizweit bestimmte Automaten eingeführt werden müssen. Wo Automaten bargeldlos werden, müsse es weiterhin eine Alternative für Barzahlende geben.
Auch höhere Preise für nicht-digitale Billette sind nicht beschlossen. Laut Alliance Swisspass lösen knapp 80 Prozent der Kundinnen und Kunden ihr Billett schon heute digital.
Quellen
- 1.Regierungsrat Basel-Stadt, Medienmitteilung 10.2.2026
- 2.Staatskanzlei Basel-Stadt, Schlussresultat 8.3.2026
- 3.Regierungsrat Basel-Stadt, Interpellationsantwort 2017 (Zahlungsmittel)
- 4.BVB, Factsheet Beschaffung neuer Billettautomaten (März 2025)
- 5.BLT, Tap and Ride
- 6.Alliance Swisspass, Prepaid Card (2.12.2025)
- 7.Alliance Swisspass, Einordnung (2.9.2026)
- 8.SBB, Hilfe zur Prepaid Card
- 9.SBB, Billettautomat (Zahlungsmittel)
- 10.BLS, Medienmitteilung Erneuerung Automaten (7.10.2025)
- 11.Keystone-SDA via swissinfo.ch, BLS-Automaten ohne und mit Bargeldfunktion (7.10.2025)
- 12.Regierungsrat Kanton Zürich, Beschluss Nr. 342 zum Postulat KR-Nr. 414/2025 (25.3.2026)
- 13.bz/Luzerner Zeitung, 8 Millionen für bargeldlose Billettautomaten (10.2.2026)
- 14.SRF, Abstimmung 8.3.2026
- 15.SRF, Digital statt bar (1.1.2026)
- 16.SRF, Billettautomaten verschwinden (6.12.2022)
- 17.Wikipedia, Volksabstimmungen in der Schweiz 2026
- 18.Basler Zeitung, Keller verteidigt neue Billettautomaten
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