Viele erst verkleidet, dann vermummt: Was in Zürichs Halloween-Nacht geschah
In der Halloween-Nacht brannten im Zürcher Kreis 4 Barrikaden, die Polizei setzte von zwei Seiten Wasserwerfer gegen Demonstrierende ein, berichtet Keystone-SDA und schätzt deren Zahl auf mehrere Hundert. Der Sachschaden lässt sich laut SRF noch nicht beziffern.
Darum gehts
- Mehr als 130 Polizeieinsätze im Kanton in der Halloween-Nacht, rund 65 bei der Stadtpolizei, melden die Polizeikorps laut Limmattaler Zeitung.
- Ein «gewaltbereiter Mob» griff Einsatzkräfte laut Stadtpolizei mit Feuerwerk und Steinen an, berichtet SRF.
- Zu militanten Protesten hatten laut Tages-Anzeiger linksextreme Gruppen aufgerufen.
- Stadtrat und SP verurteilen die Gewalt, die Stadt-SVP nennt die Sicherheitskräfte zu defensiv, schreibt SRF.
Erst verkleidet, dann vermummt
Schauplatz war laut Keystone-SDA der Helvetiaplatz. Gestützt auf Beobachtungen vor Ort schildert die Agentur: Viele Teilnehmende seien zunächst verkleidet gewesen, später schwarz gekleidet und vermummt. Noch vor dem Einsatz der Wasserwerfer hätten Demonstrierende Böller und Petarden gezündet, und eine erste Barrikade habe Feuer gefangen. Die Stimmung beschrieb die Agentur als angespannt, ihre Meldung zum Wasserwerfer-Einsatz erschien um 23.54 Uhr.
Von «massiven Ausschreitungen» in der Nacht auf Sonntag im Kreis 4 schreibt die Limmattaler Zeitung. An der Langstrasse hätten sich mehrere hundert Personen versammelt, die Kantonspolizei habe die Stadtpolizei unterstützt.
Wie gross die Demonstration war, ist umstritten: Die Polizei spricht laut SRF von einigen Hundert Personen, das Bündnis gegen Austerität laut Blick von rund 2000.
«Diese Zerstörungswut ist völlig unangebracht»
Müllwagen, E-Trottis und E-Velos als Barrikaden
Woraus die Barrikaden bestanden, beschreibt 20 Minuten: Müllwagen, E-Trottis und E-Velos seien angezündet, Scheiben zerstört und Fassaden beschmiert worden. Von mehreren Zehntausend Franken Sachschaden schreibt die Zeitung, gestützt auf eine Bilanz kurz nach Mitternacht, deren Urheber sie dort nicht nennt. Ihr Live-Ticker führt die vorsichtige Schätzung um 00.57 Uhr auf BRK News zurück, also auf einen Stand mitten in den Krawallen.
Beschädigt wurden laut Stadtpolizei die Scheiben der VBZ-Haltestelle Stauffacher und von Geschäften nahe dem Helvetiaplatz, an der Zwinglistrasse wurde ein Auto in Brand gesetzt, berichtet SRF.
Die Polizei setzte laut SRF Wasserwerfer, Reizstoff und Gummischrot ein, auch die Berufsfeuerwehr von Schutz und Rettung Zürich stand im Einsatz. Gäste hätten unter Tränengas-Schwaden gelitten, schreibt 20 Minuten. Ein Mitinhaber einer Bar kritisiert dort beide Seiten: «Diese Zerstörungswut ist völlig unangebracht» und «Das Vorgehen der Polizei war ziemlich gefährlich.»
«Das Vorgehen der Polizei war ziemlich gefährlich.»
Stadtpolizei: Patrouille bei Notfall-Einsatz angegriffen
Kurz nach Mitternacht griff laut Stadtpolizei ein «Mob» eine Streifenwagenpatrouille an, die zu einem medizinischen Notfall gerufen worden war. Der Wagen wurde beschädigt, die Polizisten mussten sich zurückziehen, bevor sie einem Teenager helfen konnten. Er hatte sich bei einem Unfall erheblich an den Beinen verletzt. Ob er zu den Randalierern gehörte, sei unklar, sagt Judith Hödl vom Mediendienst der Stadtpolizei laut SRF.
Ein Polizist kam nach Angaben von Hödl mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung ins Spital und konnte es wieder verlassen.
«Offensichtlich ging es den Beteiligten nur um Sachbeschädigung und Konfrontation»
Zwei Festnahmen auf einer Baustelle
Die Limmattaler Zeitung berichtet zudem von zwei Festnahmen durch die Kantonspolizei: Männer im Alter von 19 und 21 Jahren, angetroffen auf einer Baustelle, laut Polizei mit Vermummungsmaterial und Waffen. Dort hätten sie mutmasslich Wurfgegenstände gesammelt, schreibt SRF unter Berufung auf die Kantonspolizei. Bei den Waffen handelte es sich laut einem Polizeisprecher um Quarzsandhandschuhe. Ob die beiden etwas mit den Ausschreitungen im Kreis 4 zu tun haben, ist unklar. Eine Gesamtzahl der Festnahmen oder Verletzten im Kreis 4 nennen die geprüften Quellen nicht.
Am Samstagabend sprach die Kantonspolizei ausserdem 18 Wegweisungen aus. Um 1.30 Uhr beruhigte sich die Lage laut SRF grösstenteils. Die Stadtpolizei hat Ermittlungen aufgenommen, meldet Blick; den Einsatz hätten laut Polizei zahlreiche Gaffer erschwert.
«weshalb die Krawalle trotz Warnzeichen nicht frühzeitig unterbunden wurden»
Aufruf vor der Nacht, Kritik danach
Schon vor der Demonstration berichtete der Tages-Anzeiger über den Aufruf für den Samstagabend, 31. Oktober. Der Aufruf habe Sachbeschädigungen als Form des Protests gerechtfertigt, die Stadtpolizei habe ein Grossaufgebot im Einsatz gehabt.
Der Stadtrat verurteilt die Ausschreitungen, erklärte Sicherheitsvorsteherin Karin Rykart (Grüne) laut SRF gegenüber Keystone-SDA. Sie verweist darauf, dass sie seit Jahren mehr Personal für die Stadtpolizei fordere. Die SP der Stadt Zürich verurteilt die Gewalt aufs Schärfste. «Offensichtlich ging es den Beteiligten nur um Sachbeschädigung und Konfrontation», wird ihr Präsident Oliver Heimgartner bei SRF zitiert. Die Grünen sprechen von sinnloser Gewalt, die FDP von krimineller Selbstinszenierung.
Die Stadtzürcher SVP wirft den Sicherheitskräften laut SRF vor, zu defensiv agiert zu haben, und will das Korps der Stadtpolizei aufstocken. SVP-Nationalrätin Nina Fehr Düsel verlangt auf X, der Stadtrat müsse Rechenschaft ablegen, «weshalb die Krawalle trotz Warnzeichen nicht frühzeitig unterbunden wurden». Die JSVP verlangt von Rykart eine Erklärung, die Jungfreisinnigen fordern mehr Polizeistellen und Material wie Wasserwerfer und Tränengas.
Schon im Mai rollten im Kreis 4 Wasserwerfer
Für das Quartier ist es nicht der erste solche Einsatz in diesem Jahr. Im Mai setzte die Stadtpolizei im Kreis 4 Wasserwerfer und Gummischrot ein, nachdem sich mehrere Dutzend Personen bei der Bäckeranlage verbarrikadiert und eine unbewilligte Demonstration begonnen hatten.
Bei einer unbewilligten Nachdemonstration am 1. Mai hatte sie 8 Personen festgenommen. Nach damaligem Kenntnisstand wurden 2 Polizisten leicht verletzt.
Quellen
- 1.Nau.ch / Keystone-SDA: Polizei setzt im Zürcher Kreis 4 Wasserwerfer ein
- 2.Limmattaler Zeitung: Über 130 Halloween-Einsätze im Kanton Zürich
- 3.SRF: Brennende Barrikaden und Krawall bei Demos in Zürich und Basel
- 4.SRF: Unverständnis und Forderungen nach der Krawallnacht in Zürich
- 5.Blick: Linksradikale Demo eskaliert an Langstrasse
- 6.20 Minuten: Halloween-Demo im Kreis 4 eskaliert
- 7.20 Minuten: Live-Ticker zur Halloween-Demo im Kreis 4
- 8.Watson / Keystone-SDA: Links und Rechts verurteilt Gewalt in Zürich
- 9.Tages-Anzeiger: Nervosität in Kreis 4
- 10.Tages-Anzeiger: Illegale Demo im Kreis 4
- 11.Stadt Zürich: Polizeieinsatz wegen unbewilligter Demonstration im Kreis 4 (Mai 2026)
- 12.Stadt Zürich: Polizeieinsatz anlässlich unbewilligter Nachdemonstration (Mai 2026)
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