AfD-Politiker fechten mit Klingen: Duell war in der Schweiz bis 1989 strafbar
Zwei AfD-Politiker aus verfeindeten Lagern der AfD Nordrhein-Westfalen haben in Düsseldorf mit Klingen gegeneinander gefochten. In der Schweiz stand das Duell bis 1989 im Strafgesetzbuch – mit einer Lücke, von der Studenten profitierten.

Darum gehts
- Bei der Mensur bleiben Gesicht und Kopf Trefferfläche, Verletzungen gelten laut t-online als Ehrabzeichen.
- Das Strafgesetzbuch von 1937 stellte das Duell unter Strafe. Fechtende Studenten blieben trotzdem meist straflos.
- Bern verbot das Duell schon 1651, also fast drei Jahrhunderte vor dem nationalen Gesetz.
- Der Grund: Was ein Duell ist, definierte das Gesetz nie. 1989 fielen die Bestimmungen ganz weg.
Die Herausforderung fiel an der Aufstellungsversammlung der AfD NRW in Marl: Matthias Büschges, Fraktionsgeschäftsführer der AfD im Kölner Stadtrat, forderte den Düsseldorfer AfD-Stadtrat Jeremy Franosch zur Mensur. Das berichten t-online, das den Fall zuerst publik machte, und die Nachrichtenagentur dpa. Gefochten wurde in einem Verbindungshaus in Düsseldorf.
Die beiden stehen in verfeindeten Lagern der zerstrittenen Landespartei. Büschges gehört zum Lager von Landeschef Martin Vincentz, Franosch zum Umfeld des selbst ernannten «patriotischen Lagers» um Matthias Helferich. Beide sind Familienväter.
Mit der Partei habe das nichts zu tun, sagt Büschges: «Das ist eine Privatangelegenheit, sie hat nichts mit der Partei zu tun.» Franosch meint gegenüber t-online: «Dafür gibt es schliesslich Parteitage, die in meiner Partei wesentlich kräftezehrender sind als jede Fechtpartie.» Landeschef Vincentz setzt auf eine andere Art des Kreuzens: «Politik heisst friedliche Lösungen und intellektuelles Kreuzen der Klingen.»
«Das ist eine Privatangelegenheit, sie hat nichts mit der Partei zu tun.»
Ehrenstreit ist offiziell tabu
Gefochten wird bei der Mensur mit Klingen. Augen, Nase, Hals und Oberkörper sind geschützt. «Die Mensur befolgt ganz, ganz strenge Regeln, die auch da eingehalten werden», sagte Büschges der dpa.
Um verletzte Ehre soll es dabei nicht gehen. Duelle zur Beilegung von Ehrstreit sind deutschen Burschenschaften laut t-online seit Langem verboten, die heutige Mensur gilt als Bestimmungsmensur ohne Ehrstreit.
«Dafür gibt es schliesslich Parteitage, die in meiner Partei wesentlich kräftezehrender sind als jede Fechtpartie.»
Bern griff schon 1651 durch
Im Mittelalter war der Zweikampf auch ein Rechtsmittel. Am 7. August 1397 tötete Gerhard von Stäffis in Bourg-en-Bresse Otto III. von Grandson im Zweikampf.
Eine Oberschicht, die Ehrenhändel mit der Waffe regelte, bildete sich in der Schweiz nie heraus, schreibt das Historische Lexikon der Schweiz (HLS). Bern verbot das Duell trotzdem, und im 19. Jahrhundert untersagten es die meisten kantonalen Strafgesetzbücher.
«Politik heisst friedliche Lösungen und intellektuelles Kreuzen der Klingen.»
Ein Strafartikel ohne Definition
Ab den 1840er-Jahren verbreitete sich an Schweizer Hochschulen die studentische Mensur. Später war vor allem die Bestimmungsmensur üblich: ein ritterliches Kampfspiel, dem keine Beleidigung vorausging. Sie sollte die Teilnehmer zu ausgeprägter Männlichkeit erziehen.
Das Strafgesetzbuch von 1937 führte das Duell als Delikt gegen Leib und Leben. Nur: Was ein Duell ist, definierte das Gesetz nirgends. Genau darum gingen die studentischen Fechter laut HLS meist ohne Strafe aus.
1989 verschwanden die Bestimmungen über den Zweikampf mit einer Änderung des Strafgesetzbuchs ganz.
«Die Mensur befolgt ganz, ganz strenge Regeln, die auch da eingehalten werden.»
Fechten mit Sprachgrenze
In der Westschweiz gab es im 19. Jahrhundert nur ein paar wenige schlagende Studentenverbindungen. Bei den Verbindungen insgesamt blieb das Gefälle auch später sichtbar: Anfang des 21. Jahrhunderts zählte das HLS in der italienischen Schweiz eine einzige Korporation, in der Westschweiz rund 20.
Landesweit waren es damals über 200 Studentenverbindungen, schlagende und nicht schlagende zusammen. Sie hatten etwa 3600 Aktive und rund 26'000 Alte Herren.
Die schlagenden Studentenverbindungen organisierten sich 1928 in Olten: Dort gründeten sie den Schweizerischen Waffenring. Anfang des 21. Jahrhunderts gab es ihn noch.
Quellen
- Duell
- Mensur
- Studentenverbindungen
- Strafgesetzbuch
- AfD
- Geschichte
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