Neun Tote in Kirche: Jordanien bombardiert Syrien, Damaskus macht Grenze dicht
Bewaffnete schossen am 23. Oktober auf eine Trauergemeinde bei einer Kirche im jordanischen Karak, neun Menschen starben. Drei Tage später waren drei Verdächtige gefasst, und Jordaniens Luftwaffe bombardierte Ziele in Südsyrien.

Darum gehts
- Je nach Quelle wurden 34 bis 40 Menschen verletzt, die Behörden sprechen von Terror.
- Die drei Verdächtigen, laut Reuters zwei Brüder und ihr Schwager, wurden beim Zugriff verletzt.
- Bei den jordanischen Luftangriffen starben laut syrischen Behörden sieben Menschen.
- Syrien bestreitet eine Absprache und hat den Grenzübergang Nassib geschlossen.
Am Freitag, 23. Oktober, fielen während einer Beerdigung bei der griechisch-orthodoxen St.-Georgs-Kirche im Dorf Hamoud die Schüsse. Nach Angaben der jordanischen Polizeibehörde stiegen die Angreifer aus einem Fahrzeug und feuerten auf den Trauerzug. Al Jazeera berichtet, sie hätten mehrere Minuten lang geschossen.
Am Samstag erlag ein Verletzter seinen Wunden, womit die Zahl der Toten auf neun stieg. Die Behörden sprachen von einem «Akt extremistischen Terrors» und riefen drei Tage Staatstrauer aus.
König Abdullah II. reiste wenige Stunden nach dem Angriff nach Karak und wies die Sicherheitskräfte an, hart durchzugreifen. Premierminister Jafar Hassan schrieb auf X, die Tat sei das Ergebnis «einer terroristischen Ideologie und blinden Extremismus». Und weiter: «Wir werden nicht zulassen, dass die Gesellschaft diesen Weg einschlägt.»
«a result of a terrorist ideology and blind extremism»
Schusswechsel im Morgengrauen
Drei Tage lang lief die Fahndung. Am Montag, 26. Oktober, stiessen Sicherheitskräfte im Morgengrauen auf die Gesuchten. Reuters zufolge hatten sie sich in einem verlassenen Haus in al-Judayyda versteckt, ebenfalls im Gouvernement Karak.
Beim anschliessenden Schusswechsel wurden alle drei Verdächtigen verletzt, wie die Polizeibehörde mitteilt. Unter den Sicherheitskräften gab es keine Verletzten.
Innenminister Mazen al-Faraya bezeichnete die drei Festgenommenen als die Verantwortlichen. Im Staatsfernsehen Al-Mamlaka sagte er: «Die Sicherheitsdienste haben ihre Pflicht erfüllt, was zur Festnahme jener geführt hat, die diesen Terrorakt verübt haben.» Ein Urteil gibt es nicht, es gilt die Unschuldsvermutung.
«We will not allow society to go down this path.»
Verbindung nach Syrien oder Einzeltat?
Wer hinter der Tat steht, darüber gehen die Angaben aus Amman auseinander. Jordanien erklärte am Montag, die Verdächtigen hätten Verbindungen zu «terroristischen Gruppen» im Süden Syriens. Die Polizeibehörde hat hingegen keine Verbindung zu einer Terrorgruppe öffentlich genannt, und bekannt hat sich bisher niemand zu dem Angriff.
Polizeidirektor Obeidallah al-Maaytah sagte über die drei Männer: «So Gott will, vertreten sie nur sich selbst.» Das Motiv ist weiterhin unklar.
«The security services have fulfilled their duties, resulting in the capture of those who carried out this terrorist act»
Laut Syrien drei Kinder unter den Toten in Deraa
Noch am selben Montag flog die jordanische Luftwaffe Angriffe auf «Verstecke von Militanten» in Südsyrien. In der Provinz Deraa starben dabei laut syrischen Behörden sieben Menschen. Der syrische Zivilschutz zählt nach ersten Angaben drei Kinder und eine Frau zu den Toten.
Jordaniens Armee betont, die Angriffe seien mit Damaskus abgestimmt gewesen. Syrien erklärt, die Angriffe seien ohne vorherige Absprache erfolgt, äusserte seinen «vollständigen Vorbehalt» und schloss den Übergang Nassib. Es ist Jordaniens einziger Grenzübergang nach Syrien für Personen und Waren.
«God willing, they only represent themselves»
Karak war schon 2016 Ziel
Angriffe dieser Art sind in Jordanien selten. Die Behörden sagen aber, sie hätten wiederholt Anschlagspläne gewaltbereiter islamistischer Gruppen vereitelt.
Für Karak ist es nicht der erste Schock: Im Dezember 2016 schossen Bewaffnete dort auf Polizisten und Touristen. In der Region lebt eine christliche Minderheit, und Jordanien zieht mit mehreren biblischen Stätten christliche Pilger an.
Nach dem Angriff auf die Kirche wurden die Sicherheitsvorkehrungen im ganzen Land verstärkt, wie die US-Botschaft in Amman schreibt, unter anderem bei Einkaufszentren und ausländischen Botschaften.
Quellen
- Jordanien
- Karak
- Anschlag
- Kirche
- Syrien
- Terror
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