Bund sagt 3,6 Prozent, Forscher 6 bis 8: So viel Strom schlucken Rechenzentren
Das Rechenzentrum, das in Beringen SH entsteht, würde bei voller Auslastung so viel Strom brauchen wie drei Viertel des ganzen Kantons Schaffhausen im Jahr 2022, rechnet SRF vor. Ein zweites ist in der gleichen Gemeinde schon geplant.
Darum gehts
- Stack Infrastructure baut in Beringen SH ein Rechenzentrum mit 36 Megawatt Leistung, berichtet SRF.
- Mit einem zweiten Projekt könnte Schaffhausens Stromverbrauch laut SRF im Extremfall um 140 Prozent steigen.
- Bund: 3,6 Prozent des Schweizer Stroms gehen an Rechenzentren. Ein HSLU-Professor schätzt laut SRF 6 bis 8.
- Künstliche Intelligenz spielt beim Strom der Rechenzentren laut Bund heute nur eine Nebenrolle.
Die US-Firma Stack Infrastructure rechnet für ihr Rechenzentrum ZUR02 mit 315 Gigawattstunden Strom im Jahr, schreibt die Schaffhauser AZ. Gebaut wird laut SRF bereits.
Beringen bekommt womöglich einen zweiten Stromriesen. Die Enka Investement AG plant in der Gemeinde ein weiteres Rechenzentrum, das voll ausgelastet rund 300 Gigawattstunden brauchen würde. Das Baugesuch liegt zur Vorprüfung beim Hochbauamt, beide Anlagen sollen laut Schaffhauser AZ 2028 ans Netz.
Neben Strom geht es um Wasser. Laut SRF hat der Gemeinderat dem Rechenzentrum von Stack 55'000 Kubikmeter pro Jahr bewilligt. Für das zweite Projekt macht Gian-Rico Willy, Berater der Enka-Bauherrschaft, laut SRF diesen Vergleich: «Wir verbrauchen pro Jahr so viel, wie normalerweise in einer Minute den Rheinfall herunterfliesst.»
«Wir konnten gar nicht anders»
Wohin mit der Abwärme?
Eine Machbarkeitsstudie im Auftrag der Energiefachstelle des Kantons rechnet in Beringen im Endausbau mit mindestens 79 Gigawattstunden Abwärme im Jahr. Abnehmer dafür gibt es laut SRF derzeit keine, zuerst müsste ein Fernwärmenetz entstehen.
Stack verweist auf die Herkunft des Stroms: Laut SRF kauft die Firma nach eigenen Angaben nur Strom aus erneuerbaren Quellen ein, und zwar auf dem internationalen Markt. «Wir sind sehr stolz auf das, was wir hier bauen», sagt Thomas Diamantidis, Leiter Strategie und Entwicklung bei Stack Infrastructure, gegenüber SRF.
«Wir sind sehr stolz auf das, was wir hier bauen.»
«Wir konnten gar nicht anders»
Der Kanton hat das Projekt bewilligt. «Wir konnten gar nicht anders», sagte Regierungsrat Martin Kessler, Vorsteher des Baudepartements, gegenüber SRF. Wer Rechenzentren verhindern wolle, müsse das Gesetz ändern.
Genau dort setzt ein Vorstoss von Pfalzgraf (Grüne) im Kantonsrat an: Er will Wertschöpfung, Abwärme und Kühlwasser regeln.
Ausserhalb des Parlaments ist der Streit schon angekommen. Aktivisten protestierten in Beringen gegen das Projekt, die Polizei löste ihr Protestcamp auf, wie Watson berichtet. Proteste gegen Rechenzentren gibt es auch in Deutschland, Österreich und den USA.
«Wir verbrauchen pro Jahr so viel, wie normalerweise in einer Minute den Rheinfall herunterfliesst.»
Warum Bund und Forscher so weit auseinanderliegen
Hinter den offiziellen 3,6 Prozent des Bundes stecken 2,1 Terawattstunden im Jahr 2024. Seit 2019 ist der Verbrauch der Rechenzentren damit um 18 Prozent gewachsen.
Adrian Altenburger, Studienautor und Professor an der Hochschule Luzern, schätzt den Anteil laut SRF auf 6 bis 8 Prozent. Direkt vergleichen lassen sich die Zahlen nicht: Der Bund hat die Serverräume für die Erhebung 2024 weggelassen, um die Erhebung zu vereinfachen. Das drückt seine Zahl. Welche Abgrenzung die HSLU-Schätzung nimmt, geht aus den Quellen nicht hervor.
Für 2030 erwartet der Bund 2,5 bis 3,2 Terawattstunden, im Maximalszenario 3,5. Das wären 6 Prozent des Schweizer Stromverbrauchs von 2024.
Altenburger geht weiter: Bleibt der Gesamtverbrauch gleich, könnten Rechenzentren laut SRF bis 2030 bis zu 15 Prozent des Stroms brauchen.
Wachsen tun laut Bund vor allem die grossen kommerziellen Anbieter. Sie stehen für 44 Prozent des Verbrauchs, ihr Bedarf könnte sich bis 2030 mehr als verdoppeln. Firmeneigene Rechenzentren dagegen stagnieren oder schrumpfen, weil sie effizienter werden und Firmen in die Cloud auslagern.
«ist die Schweiz noch nicht an einem Punkt, an dem der Bau neuer Rechenzentren eingeschränkt werden müsste.»
Auch Winterthur bekommt vier neue Stromriesen
Beringen ist kein Einzelfall. In Winterthur entstehen laut SRF vier Rechenzentren mit zusammen 40 Megawatt. Sind sie am Netz, braucht die Stadt rund 50 Prozent mehr Strom.
Und der KI-Boom? Der Bund schreibt der künstlichen Intelligenz beim Strom der Rechenzentren derzeit eine untergeordnete Rolle zu, Anlagen fürs Training grosser Sprachmodelle gibt es in der Schweiz noch keine. Für Altenburger ist die Schweiz laut SRF «noch nicht an einem Punkt, an dem der Bau neuer Rechenzentren eingeschränkt werden müsste».
Luft nach oben sieht der Bund bei der Effizienz: Rund 0,8 Terawattstunden liessen sich noch einsparen, 38 Prozent des heutigen Verbrauchs der Rechenzentren. Am meisten bringen sparsamere IT-Geräte, weniger die Gebäudetechnik.
Quellen
- 1.Bundesrat/BFE: Rechenzentren in der Schweiz, Stromverbrauch und Effizienzpotenziale (7. Mai 2026)
- 2.BFE-Kurzbericht (PDF)
- 3.SRF, 25. Juni 2025: Stille Stromfresser
- 4.SRF, 29. August 2026: Umstrittene Datenzentren
- 5.Schaffhauser AZ, 10. August 2026: Zwei Datencenter für Beringen
- 6.Watson, 26. Juli 2026
- 7.Amstein + Walthert: Projekt Rechenzentrum Beringen
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