Parlament sagt Ja, Erbprinz Nein: Abtreibung bleibt in Liechtenstein verboten
Ein einziger Mann stoppt, was das Parlament beschlossen und fast 5000 Menschen unterschrieben hatten: Erbprinz Alois verweigert der Fristenlösung die Sanktion. Abtreibung bleibt in Liechtenstein verboten, anders als in der Schweiz.

Darum gehts
- Der Landtag hatte die Fristenlösung am 2. September knapp angenommen, mit 13 zu 12 Stimmen.
- Ohne Sanktion des Landesfürsten kann in Liechtenstein kein Gesetz in Kraft treten.
- Die Initiative hätte Abbrüche in den ersten drei Monaten erlaubt, ähnlich wie in der Schweiz.
Das Fürstenhaus gab den Entscheid am Dienstag, 20. Oktober, bekannt. Das Liechtensteiner Portal Landesspiegel und SRF geben die Mitteilung wieder. Überraschend kam das Nein nicht: Schon im Juni hatte der Erbprinz laut Blick angekündigt, sein Veto einzulegen.
Er begründet es damit, «dass eine Fristenregelung nicht geeignet ist, dem Schutz des ungeborenen Lebens als zentralem Rechtsgut gerecht zu werden». Ganz verschliessen will er sich aber nicht. Offen zeigt er sich dafür, das Werbeverbot für Schwangerschaftsabbrüche aufzuheben. Ausserdem unterstützt er eine bessere Information, Begleitung und Unterstützung von Frauen vor, während und nach der Schwangerschaft.
«dass eine Fristenregelung nicht geeignet ist, dem Schutz des ungeborenen Lebens als zentralem Rechtsgut gerecht zu werden»
Fast 5000 Unterschriften, aber keine Volksabstimmung
Hinter der Vorlage steht eine Volksinitiative mit dem Namen «Fristenlösung für Liechtenstein». 1000 Unterschriften hätten gereicht, zusammengekommen sind laut SRF fast 5000. Das ist rund ein Viertel aller Stimmberechtigten im Land.
Das Volk hatte trotzdem nie das letzte Wort. Der Landtag verzichtete darauf, die Initiative an die Urne zu bringen. Zwingend gewesen wäre eine Abstimmung nur, wenn das Parlament Nein gesagt hätte. Am Ende lag der Entscheid beim Fürstenhaus.
Die Verfassung lässt dem Landesfürsten dafür sechs Monate Zeit. Verstreicht die Frist ohne Sanktion, gilt sie als verweigert. Erbprinz Alois wartete nicht so lange: Rund sieben Wochen nach dem Landtagsentscheid ist die Reform vom Tisch.
«eine Machtdemonstration auf dem Rücken der Betroffenen»
Jagdgesetz, Abtreibung, Ehe für alle: Wann das Fürstenhaus eingreift
Ein solches Veto ist selten. Laut SRF hat der Fürst sein Vetorecht vorher zuletzt in den 1960er-Jahren genutzt, damals ging es um eine Reform des Jagdgesetzes.
Laut SRF kündigte das Fürstenhaus auch danach Vetos an, so 2011 bei einer Abtreibungs-Initiative. Damals sagte das Stimmvolk selbst Nein: 52,3 Prozent lehnten die Initiative «Hilfe statt Strafe» im September 2011 ab.
Nicht jede gesellschaftliche Reform stoppt Erbprinz Alois. Gegen die Ehe für alle, die 2025 in Kraft trat, legte er laut WOZ kein Veto ein.
«Dieses Signal reicht weit über die Fristenlösung hinaus und trifft das Selbstverständnis Liechtensteins im Innersten.»
Komitee spricht von «Machtdemonstration» und ruft nach Vaduz
Das Initiativkomitee reagiert laut SRF scharf. Das Veto sei «eine Machtdemonstration auf dem Rücken der Betroffenen». Und weiter: «Dieses Signal reicht weit über die Fristenlösung hinaus und trifft das Selbstverständnis Liechtensteins im Innersten.»
Laut SRF will das Komitee am Samstag in Vaduz auf die Strasse gehen, weitere Aktionen sollen folgen.
Abbruch in Chur oder St. Gallen
Für betroffene Frauen ändert sich mit dem Veto nichts. Für einen Abbruch reisen sie weiterhin meist ins Ausland. Seit 2015 bleiben sie dafür immerhin straffrei.
Oft führt der Weg in die Schweiz, schreibt SRF. Die Regierung in Vaduz nennt als Beispiele Kliniken in Chur und St. Gallen, daneben Bregenz in Österreich.
Offizielle Statistiken gibt es keine, und die Schätzungen liegen weit auseinander. Laut WOZ geht der Verein für Menschenrechte in Liechtenstein von etwa 20 Abbrüchen im Ausland pro Jahr aus, die Partei Freie Liste von 40 bis 50.
Die Regierung kommt in ihrer Hochrechnung auf rund 44 Abbrüche pro Jahr. Dafür hat sie eine Abbruchrate aus der Schweiz von 2024 auf die in Liechtenstein wohnhaften Frauen zwischen 15 und 44 Jahren übertragen.
Quellen
- 1.SRF News
- 2.SRF News (18.06.2026)
- 3.Landesspiegel
- 4.Blick
- 5.bluewin
- 6.WOZ Die Wochenzeitung (17.09.2026)
- 7.Regierung des Fürstentums Liechtenstein, Bericht und Antrag zur Volksinitiative «Fristenlösung für Liechtenstein»
- 8.Regierung des Fürstentums Liechtenstein, FAQ Schwangerschaftsabbruch
- 9.Regierung des Fürstentums Liechtenstein, Chronologie Schwangerschaftsabbruch
- Liechtenstein
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- Landtag
- Veto
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