Roche zieht Notbremse gegen Merz: Neue Investitionen in Deutschland auf Eis
Der Basler Pharmakonzern Roche stellt sämtliche künftigen Investitionsentscheidungen in Deutschland vorerst zurück. Das sagt Deutschland-Chef Daniel Steiners der Zeitung «Welt» und wirft der Regierung von Kanzler Friedrich Merz vor, Vertrauen zerstört zu haben.

Darum gehts
- Bereits beschlossene Projekte laufen weiter, etwa der Ausbau in Penzberg für über 600 Millionen Euro.
- Roche beschäftigt in Deutschland rund 18'000 Menschen und ist seit 130 Jahren dort präsent.
- Konkurrenten wie Eli Lilly und Boehringer Ingelheim haben ihre Pläne in Deutschland bereits gekürzt.
«Für den Pharmabereich kann ich sagen, dass die Politik zuletzt sehr viel Vertrauen zerstört hat.» Mit diesem Satz greift Steiners im Interview an, das die «Welt» in ihrer Montagsausgabe veröffentlicht hat. Über die Aussagen berichten auch die WirtschaftsWoche, die Nachrichtenagentur Reuters und 20 Minuten.
Der Ärger gilt einem neuen Gesetz. Es soll die Beiträge der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) stabil halten und belastet dafür die Pharmaindustrie stärker. Statt die strukturellen Probleme der GKV anzugehen, setzt die Politik laut Steiners auf kurzfristige Einsparungen.
Zwar verspreche der Koalitionsvertrag, den Pharmastandort zu stärken, sagt der Roche-Manager. Private Investitionen folgten aber nicht politischen Ankündigungen.
«Für den Pharmabereich kann ich sagen, dass die Politik zuletzt sehr viel Vertrauen zerstört hat.»
Basel will wissen, ob Deutschland verlässlich bleibt
In der Konzernzentrale steht laut Steiners eine Grundsatzfrage im Raum: Bleibt Deutschland ein Partner, der verlässliche Bedingungen bietet? Die USA und China würden Investitionen aktiv zu sich ziehen.
Neu ist die Kritik nicht, wie ein Bericht von cash.ch vom Juni zeigt. Schon im Juni, nach dem Kabinettsbeschluss zum GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz, warnte Steiners, damals Vorstand der Roche Pharma AG, vor einem «neuen Mass an Unsicherheit». An Penzberg hielt Roche trotzdem fest.
Das Diagnostik-Produktionszentrum im bayerischen Penzberg ist die grösste Einzelinvestition des Konzerns in Deutschland. Der Bau soll 2027 fertig sein, 2028 soll die Produktion mit rund 200 Beschäftigten starten.
«Europa sollte vor allem lernen, sich wieder anzustrengen»
Lilly halbiert, Boehringer streicht ganz
Wegen desselben Sparpakets haben andere Pharmakonzerne laut cash.ch schon den Rotstift angesetzt: Eli Lilly halbiert seine geplanten Investitionen in Deutschland von 2,3 Milliarden Euro. Boehringer Ingelheim strich geplante 900 Millionen Euro komplett.
Eine Stellungnahme der Bundesregierung zu den Vorwürfen von Roche ist bisher nicht bekannt. Steiners selbst wird im Interview grundsätzlich: «Europa sollte vor allem lernen, sich wieder anzustrengen.»
Quellen
- Roche
- Deutschland
- Pharma
- Investitionen
- Friedrich Merz
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