Klappschiffe mit 500 Tonnen: Darauf müssen Wassersportler am Urnersee achten
Seit Anfang Oktober laufen alle drei Verladestellen gleichzeitig: Täglich landen gut 12'000 Tonnen Gestein von den Grossbaustellen Gotthard und Axen im Urnersee. Im Ausbruch aus dem Sisikonertunnel stecken auch Reste von Zündschläuchen.
Darum gehts
- Keine Entsorgung: Der Fels soll Flachwasserzonen wiederherstellen und die Artenvielfalt im Reussdelta fördern.
- Bis zu sieben Fahrten am Tag ab Sisikon: Wer auf dem See unterwegs ist, muss den Frachtschiffen Vortritt lassen.
- Gefährlich für Mensch und Umwelt sind die Schlauchreste nicht, sie müssen aber eingesammelt werden.
- Kalk mit natürlich vorkommendem Arsen wird mit Schutzmassnahmen fern vom Ufer geschüttet und danach zugedeckt.
Der Sisikonertunnel gehört zur Neuen Axenstrasse und wird ausschliesslich gesprengt. Dabei geraten Reste der Zündschläuche ins Material. Sie sind leichter als Wasser: Nach der Schüttung schwimmen sie auf, Wind und Wellen treiben sie an die Ufer des Urnersees.
«Obwohl wir bereits an der Quelle ansetzen, lassen sich die Zündschläuche nicht vollständig aus dem Ausbruchmaterial aussortieren», sagt Roland Senn, Projektleiter der Seeschüttung Urnersee, in der Mitteilung des Kantons Uri.
Mehrmals pro Woche sucht deshalb eine Reinigungsgruppe das Reussdelta und die Ufer ab. Im Naturschutzgebiet und auf den Naturschutzinseln sammelt die Reussdeltakommission die Schläuche ein, mit Rücksicht auf die Brutzeiten.
«Obwohl wir bereits an der Quelle ansetzen, lassen sich die Zündschläuche nicht vollständig aus dem Ausbruchmaterial aussortieren.»
Aus Tunnelgestein werden zehn Fussballfelder Flachwasser
Insgesamt sollen rund 4,9 Millionen Tonnen Gestein aus den beiden Grossprojekten im See landen. Allein die zweite Gotthardröhre liefert laut ASTRA rund 3,5 Millionen Tonnen davon, knapp die Hälfte ihres gesamten Ausbruchs.
Geschüttet wird am Südufer in den Gebieten Schanz und Allmeini. Dort entstehen rund 7 Hektaren neue Flachwasserzonen, laut Projekt so viel wie rund zehn Fussballfelder. Wassertiere sollen darin Schutz, Nahrung und Fortpflanzungsstätten finden.
Schon von 2001 bis 2008 entstanden im Urnersee zwei Inselgruppen und neue Flachwasserzonen in Ufernähe. Laut Projekt Seeschüttung haben sie sich problemlos ins Ökosystem des Reussdeltas eingefügt und Unterwasserpflanzen, Algen, Fischen und Wirbellosen neuen Lebensraum gebracht. Nach der jetzigen Schüttung sind in diesem Gebiet keine weiteren vorgesehen.
«Dank der zweistrassigen Anlage können ab den Silos gleichzeitig zwei Schiffe mit unterschiedlichen Gesteinsarten wie Mergel und Kalk beladen werden»
Arsen im Gestein: Was in den See darf und was nicht
In den Vortrieben Gumpisch und Buggi fällt auch Betliskalk an, ein Kalk, der stellenweise von Natur aus Arsen enthält. Umfangreiche Untersuchungen haben laut Kanton gezeigt, dass er mit festgelegten Schutzmassnahmen sicher geschüttet werden kann. Er landet fern vom Ufer innerhalb der Pontonanlage, deren Unterwasserschürze die Trübung zurückhält, und wird danach mit unbelastetem Material zugedeckt.
Arsenhaltiges Material aus den Gotthard-Zonen Sasso Rosso und Sorescia ist nach der aktuellen Bewilligung gar nicht für die Seeschüttung zugelassen. Kontrollpläne legen fest, wie oft Material und Seewasser geprüft werden.
Vom Tunnel über sechs Silos aufs Schiff
In Sisikon holen Förderbänder das Gestein direkt an der Vortriebsstelle ab und bringen es zu einer Anlage mit sechs Silos, von dort laufen weitere Bänder bis aufs Schiff. Anders als beim Gotthard-Ausbruch, der per Güterzug nach Flüelen kommt, entfällt hier jeder Zwischenumschlag. «Dank der zweistrassigen Anlage können ab den Silos gleichzeitig zwei Schiffe mit unterschiedlichen Gesteinsarten wie Mergel und Kalk beladen werden», sagt Senn.
Höchstens rund 3'500 Tonnen am Tag schafft die Verladestelle Dorni.
Bei Wind über 80 km/h sind keine Schüttfahrten möglich. Dann puffern die Silos: Sie fassen Material von rund drei Vortriebstagen, damit im Tunnel ohne Unterbruch weitergearbeitet werden kann.
500 Tonnen an Bord: Nur stark eingeschränkt manövrierfähig
Unterwegs sind unter anderem die zwei neuen Klappschiffe «Axen» und «Rophaien». Jedes trägt rund 500 Tonnen Gestein und ist deshalb nur stark eingeschränkt manövrierfähig.
Bis zu siebenmal am Tag fahren die Schiffe zwischen Sisikon und den Schüttstellen am Südufer hin und her. Nach den Schifffahrtsregeln haben die Frachtschiffe Vortritt.
Die Seeschüttung Urnersee und die Arnold & Co. AG bitten deshalb alle, die auf dem See segeln, paddeln oder surfen, um besondere Aufmerksamkeit und Vorsicht.
Quellen
- 1.Kanton Uri, Medienmitteilung «Seeschüttung Urnersee: Dritte Verladestelle in Betrieb» (16. Oktober 2026)
- 2.Seeschüttung Urnersee (Projektwebsite)
- 3.Seeschüttung Urnersee, Seite «Seeschüttungen»
- 4.Seeschüttung Urnersee, Seite «Nutzen»
- 5.ASTRA, 2. Röhre Gotthard: Start der Bahntransporte für die Renaturierung des Urnersees (4. April 2023)
- 6.Kanton Schwyz, Start Tunnelvortrieb am Morschacher Tunnel (6. Mai 2026)
- Urnersee
- Gotthard
- Axenstrasse
- Sisikon
- Reussdelta
- Seeschüttung
- Zündschläuche
Diesen Artikel hat eine KI geschrieben. Was ist gut, was nicht?
Wir lesen jede Rückmeldung und setzen sie innert Tagen um.



