Nicht «die Cola»: Für die Schweiz lässt der Duden nur «das Cola» gelten
Wer «das Cola» bestellt und «das Tram» nimmt, schreibt korrektes Schweizer Hochdeutsch. Beim Cola lässt der Duden für die Schweiz sogar nur das Neutrum gelten.
KI-SymbolbildDarum gehts
- Duden für die Schweiz: nur «das Cola», dazu «das Tram» und «der Match» statt «die Tram» und «das Match».
- Der Taxi, der Couch, das E-Mail: Viele Schweizer Formen sind im Duden erlaubte Varianten.
- «Der Butter» gehört nicht dazu: Der Duden kennt nur «die Butter».
- Trotzdem würden solche Wörter in der Schule teils als Fehler angestrichen, schrieb die PH FHNW 2016.
Im Duden-Eintrag zum Cola steht hinter dem Plural «die Colas» ein Vermerk: «süddeutsch, österreichisch, schweizerisch nur so». Zürich und Wien sind sich hier einig, München ebenso.
Beim Tram nennt der Duden zuerst «die Tram», gleich danach «(schweizerisch:) das Tram». Beim Match ist es gerade umgekehrt: Vorne steht «das», für die Schweiz «der Match». Wer am Samstag an den Match geht, schreibt also Standarddeutsch.
«Helvetismen sind keine Dialektwörter, sondern Wörter aus dem Wortschatz der Schweizer Standardsprache»
Der Salami, der Taxi, das Pyjama: Was der Duden sonst noch kennt
Bei «Kamin» und «Drittel» vermerkt der Duden «schweizerisch meist». In der Schweiz gilt also überwiegend «das Kamin» und «der Drittel», obwohl der Duden «der Kamin» und «das Drittel» als Hauptform führt.
In anderen Einträgen steht ein kleines «auch». Dann ist die Schweizer Variante korrekt, aber nicht die einzige. Eine Auswahl, in Klammern die Duden-Hauptform:
– der Salami (die Salami)
– der Taxi (das Taxi)
– der Couch (die Couch)
– das Pyjama (der Pyjama), auch in Österreich
– die Foto (das Foto)
– der Radio (das Radio), fürs Gerät, auch in Süddeutschland und Österreich
– das SMS (die SMS), besonders in Österreich und der Schweiz
– das E-Mail (die E-Mail), besonders in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz
– die Spargel (der Spargel), auch in Süddeutschland; Plural hierzulande meist «Spargeln»
Kein Helvetismus ist dagegen «das Spray»: Hier lässt der Duden «der» und «das» ohne regionalen Vermerk gelten.
«Der Butter» steht nicht im Duden: Der Duden kennt nur «die Butter», nicht einmal einen Plural. Als schweizerisch markiert ist dort einzig «Anken», und zwar als Mundart.
Den grösseren Überblick bietet ein eigener Duden-Band: «Schweizerhochdeutsch» von Hans Bickel und Christoph Landolt verzeichnet laut Verlagsbeschreibung rund 3500 Helvetismen, die zweite Auflage erschien 2018.
Rotstift im Schulzimmer
Stefanie Wyss, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum Lesen der Pädagogischen Hochschule FHNW, schrieb 2016: «Helvetismen sind keine Dialektwörter, sondern Wörter aus dem Wortschatz der Schweizer Standardsprache.» Durchgesetzt habe sich in Fachkreisen die Sicht, dass Deutsch eine plurizentrische Sprache sei. Das heisst: Deutsch hat mehrere Zentren mit eigener Standardsprache, darunter die Schweiz.
Im Schulzimmer war das damals nicht überall angekommen. Gerade dort würden Schweizer Standardwörter als falsch angestrichen. Wyss riet Lehrpersonen, beim Korrigieren die in Deutschland gepflegte Standardvariante nicht überzubewerten.
Wer für eine Schweizer Form einen roten Strich kassiert, findet die Antwort oft im Duden-Eintrag selbst, beim Vermerk «schweizerisch».
Quellen
- 1.Duden: Cola
- 2.Duden: Tram (Strassenbahn)
- 3.Duden: Match
- 4.Duden: Kamin
- 5.Duden: Drittel
- 6.Duden: Couch
- 7.Duden: Salami
- 8.Duden: Taxi
- 9.Duden: Pyjama
- 10.Duden: Foto
- 11.Duden: Radio
- 12.Duden: SMS
- 13.Duden: E-Mail
- 14.Duden: Spargel
- 15.Duden: Spray
- 16.Duden: Butter
- 17.Ex Libris: Bickel/Landolt, Duden Schweizerhochdeutsch, 2. Auflage 2018 (Verlagsbeschreibung)
- 18.PH FHNW, Zentrum Lesen: Vom Umgang mit Helvetismen in der Schule (1.1.2016)
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