1978 Nein zur Sommerzeit: Warum wir am 25. Oktober trotzdem umstellen
In der Nacht auf Sonntag, 25. Oktober, stellen wir die Uhren zurück. Dabei sagte das Stimmvolk 1978 Nein zur Sommerzeit, und die Schweiz lag im Sommer 1980 eine Stunde hinter Deutschland und Österreich.
KI-SymbolbildDarum gehts
- Am 25. Oktober gehen die Uhren von 3 auf 2 Uhr zurück: Du schläfst eine Stunde länger.
- 1978 lehnte das Stimmvolk das Zeitgesetz knapp ab: Nur 47,9 Prozent sagten Ja.
- 1980 hatten Deutschland und Österreich Sommerzeit, die Schweiz nicht. 1981 zog sie nach.
- Das EU-Parlament stimmte 2019 dafür, die Umstellung abzuschaffen. Das Dossier ist laut EU-Parlament blockiert.
Am Sonntag, 25. Oktober, endet die Sommerzeit. In der Nacht werden die Uhren von 3 Uhr auf 2 Uhr zurückgestellt, die Nacht dauert also eine Stunde länger. Wer schläft, gewinnt eine Stunde.
Offiziell gibt es dabei gar keine «Winterzeit». Das Eidgenössische Institut für Metrologie METAS, in der Schweiz für die Zeit zuständig, kennt nur Normalzeit und Sommerzeit. Normalzeit ist hierzulande seit über 125 Jahren die mitteleuropäische Zeit.
Dabei hatte das Stimmvolk die Sommerzeit 1978 abgelehnt.
1978: 47,9 Prozent Ja reichten nicht
Am 28. Mai 1978 stimmte die Schweiz über das Zeitgesetz ab. Es scheiterte knapp: 47,91 Prozent sagten Ja. Die Stimmbeteiligung lag bei 49,01 Prozent.
Dabei hatten Bundesrat und Parlament die Vorlage unterstützt. Der Nationalrat sagte mit 116 zu 32 Stimmen Ja, der Ständerat mit 34 zu 1.
CVP und FDP waren dafür, SVP und EVP dagegen, die SP gab die Stimme frei.
1980: Die Schweiz als Zeitinsel
1980 führten Deutschland und Österreich die Sommerzeit ein. Die Schweiz blieb bei der Normalzeit und lag damit im Sommer eine Stunde hinter Deutschland und Österreich.
Das Onlineportal Swissinfo nennt die Schweiz jener Zeit eine «lost island», eine verlorene Insel in Europa. Dem Schritt der beiden Nachbarn konnte sich die Schweiz laut Swissinfo kaum noch entziehen.
Die Stimmung hatte ohnehin gedreht. In einer Umfrage vom November 1979 sprachen sich laut Swissinfo 73 Prozent für die Zeitumstellung aus. 18 Monate zuvor waren es 48 Prozent gewesen.
1981 führte die Schweiz die Sommerzeit ein. Die SVP versuchte, erneut das Referendum zu ergreifen, brachte aber nicht genug Unterschriften zusammen.
Bauern dagegen, sieben Kantone dafür
Das Referendum von 1978 ergriffen die Zürcher Jungbauern, unterstützt vom Schweizerischen Bauernverband. Sie sammelten 82'870 Unterschriften.
Die Gegner warnten vor Nachteilen für die Bauern: Diese zögen im Winter längere Morgen den längeren Sommerabenden vor. Ausserdem gehe es auch ohne Sommerzeit, argumentierten sie.
Ja sagten sieben Kantone: Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Genf, Neuenburg, Tessin, Waadt und Zürich. Die übrigen 18 Kantone sagten Nein, den Kanton Jura gab es damals noch nicht. Kurios: Ausgerechnet der Kanton Zürich, aus dem die Jungbauern kamen, sagte Ja.
Die Deutschschweiz lehnte grösstenteils ab, die Westschweizer Kantone Genf, Waadt und Neuenburg stimmten zu. Dort störten Zug- und TV-Fahrpläne, die nicht mit Frankreich abgestimmt waren. Freiburg und das Wallis sagten hingegen Nein.
2019 stimmte das EU-Parlament für das Ende der Umstellung
Am 26. März 2019 stimmte das EU-Parlament mit 410 zu 192 Stimmen bei 51 Enthaltungen dafür, die Zeitumstellung zu beenden. 2021 hätte das letzte Jahr mit Umstellung sein können.
Laut dem Vorschlag hätten die Mitgliedstaaten danach selbst über ihre Zeitzone entscheiden sollen.
Laut EU-Parlament ist das Dossier beim Rat der Mitgliedstaaten blockiert (Stand September 2026). Im Oktober 2025 debattierte das Parlament erneut, die EU-Kommission beschloss eine vertiefte Studie als Entscheidungsgrundlage.
Quellen
- 1.Bundesrat, Medienmitteilung Sommerzeit 2026 (24.3.2026)
- 2.METAS, Medienmitteilung Uhren auf Normalzeit zurückstellen (21.10.2025)
- 3.Swissvotes (Universität Bern), Vorlage 283: Zeitgesetz
- 4.Swissinfo, Daylight saving time: when Switzerland was a lost island in Europe
- 5.Europäisches Parlament, Medienmitteilung 26.3.2019
- 6.Europäisches Parlament, Legislative Train: Discontinuing seasonal changes of time (Stand: 20.9.2026)
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