Sextortion-Verdacht, Kontakt zu über 260 Mädchen: 95 Festnahmen in 17 Ländern
Der Administrator einer Chatgruppe mit über 700 Nutzern, ein Verdächtiger mit Kontakt zu über 260 Mädchen: Bei einer von Interpol koordinierten Aktion gegen Missbrauchsmaterial in 17 Ländern wurden 95 Verdächtige festgenommen.

Darum gehts
- Laut fedpol wird in der Schweiz mindestens jeder vierte Jugendliche aufgefordert, erotische Bilder von sich zu verschicken.
- Aus Europa machten nur Spanien und Italien mit, die Schweiz steht nicht auf der Liste der beteiligten Länder.
- fedpol erhielt 2025 16'750 Verdachtsmeldungen aus den USA, rund 1000 mehr als im Vorjahr.
Interpol zog am Donnerstag Bilanz. Über Messenger wurden Kinder angeworben und Missbrauchsmaterial geteilt, bezahlt wurde mit Kryptowährungen.
Vier parallele Polizeioperationen liefen von März bis September, finanziert unter anderem von der EU. Zum Vergleich: Im Juni 2025 hatte Interpol nach einer Operation unter Führung der spanischen Nationalpolizei 20 Festnahmen gemeldet, mit Verdächtigen in 12 Ländern.
In Kolumbien rettete die Polizei ein fünfjähriges Kind. Festgenommen wurde ein Elternteil, der laut Interpol Missbrauchsmaterial des Kindes hergestellt und online verkauft haben soll.
«Behind every file is a child who was abused, and who is revictimized every time that image recirculates.»
Panama, Argentinien, Ecuador: Was die Ermittler fanden
Der Administrator des Chats wurde in Panama gefasst. In Argentinien nahm die Polizei den Verdächtigen fest, der mit Mädchen aus verschiedenen Ländern in Kontakt stand. Ihm wird sexuelle Erpressung Minderjähriger vorgeworfen, auf Englisch Sextortion.
Um welche Mengen es gehen kann, zeigt ein Fall aus Ecuador: Ermittler stiessen auf mehr als 4000 Dateien, rund 15 Gigabyte Missbrauchsbilder.
Behörden in mehreren Ländern, darunter Argentinien, Costa Rica, Ecuador, Peru und Spanien, stellten fest, dass auch Jugendliche in Chatgruppen Missbrauchsmaterial anforderten und weiterverbreiteten.
«Hinter jeder Datei steht ein Kind, das missbraucht wurde und jedes Mal erneut zum Opfer wird, wenn dieses Bild wieder zirkuliert», sagt Stephen Fry, bei Interpol Executive Director Investigation Support. «Wohin sich die Täter auch bewegen, wir müssen schneller sein.»
«Wherever offenders move, we have to move faster.»
Schweiz: Die Hinweise aus den USA nehmen seit 2021 zu
Ein grosser Teil der Verdachtsmeldungen in der Schweiz kommt von der US-Organisation NCMEC. Das Bundesamt für Polizei (fedpol) prüft diese Hinweise und schickt bei erhärtetem Verdacht ein Dossier an die zuständige Kantonspolizei, denn die Strafverfolgung ist Sache der Kantone. Im letzten Jahr gingen 1992 Dossiers an die Kantone.
Seit 2021 steigt die Zahl der Meldungen aus den USA konstant. Dazu kamen im letzten Jahr 863 Meldungen über das Online-Formular von fedpol, weitere 2432 leitete Kinderschutz Schweiz weiter.
Sextortion: So werden Jugendliche unter Druck gesetzt
Laut fedpol-Jahresbericht wird in der Schweiz mindestens jede und jeder vierte Jugendliche aufgefordert, erotische Bilder von sich zu verschicken. Wie Sextortion abläuft, beschreiben das Bundesamt für Cybersicherheit (BACS), die Schweizerische Kriminalprävention (SKP) und die Kantonspolizei Schwyz.
Meist beginnt es mit einer harmlos wirkenden Kontaktanfrage in sozialen Netzwerken. Bei der sogenannten Grooming-Variante stecken laut SKP meist Erwachsene dahinter, die online Kontakt zu Kindern und Jugendlichen aufnehmen und ihr Vertrauen gewinnen. Sind die ersten Bilder verschickt, drohen sie, diese zu verbreiten, wenn nicht mehr intime Fotos und Videos folgen. Gerade unter Jugendlichen wird oft auch freundschaftliches Vertrauen ausgenutzt, auch beim Sexting.
Nicht zahlen, Beweise sichern, melden: Das raten die Behörden
Ihre Ratschläge an Betroffene gehen in dieselbe Richtung: nicht zahlen und nicht auf die Forderungen eingehen, denn nach einer Zahlung folgen meist weitere. Den Kontakt abbrechen, die Person blockieren und alle Beweise sichern, also Screenshots vom Chat, Kontaktdaten und Nachrichten. Dann Anzeige erstatten, weil das der Polizei hilft, Zusammenhänge zu erkennen. Wurden Bilder veröffentlicht, sofort die Löschung verlangen. Und mit einer Vertrauensperson darüber reden.
Wer im Netz auf Missbrauchsmaterial stösst, soll es weder speichern noch weiterleiten, denn das ist strafbar, warnt fedpol. Der Fund gehört ins Online-Meldeformular von fedpol, mit allen URLs sowie Datum und Uhrzeit. Melden kann man auch über Suisse ePolice bei der Kantonspolizei.
Kinder und Jugendliche, die unter Druck gesetzt werden oder Sorgen haben, erreichen die Beratung 147 von Pro Juventute gratis und vertraulich per Telefon, WhatsApp, Chat oder E-Mail. Das Telefon 147 ist in dringenden Fällen jederzeit erreichbar. Der Anruf erscheint nicht auf der Telefonrechnung.
Quellen
- 1.Interpol, Medienmitteilung vom 15. Oktober 2026
- 2.Interpol, News-Übersicht
- 3.Interpol, Medienmitteilung Juni 2025
- 4.fedpol, Jahresbericht 2025, «Grenzen im Netz?»
- 5.fedpol, Pädokriminalität
- 6.fedpol, Meldeformular verbotene Pornografie
- 7.Suisse ePolice
- 8.Bundesamt für Cybersicherheit (BACS), Sextortion
- 9.Schweizerische Kriminalprävention (SKP), Sextortion
- 10.Kantonspolizei Schwyz, Sextortion
- 11.Pro Juventute, Beratung 147
- Interpol
- Sextortion
- Kindesmissbrauch
- Kinderpornografie
- fedpol
- Lateinamerika
Diesen Artikel hat eine KI geschrieben. Was ist gut, was nicht?
Wir lesen jede Rückmeldung und setzen sie innert Tagen um.



