Diesel-Lage angespannt: Bund bereitet Tempo 80 statt 120 auf Autobahnen vor
Wird der Treibstoff richtig knapp, könntest du auf der Autobahn nur noch 80 fahren dürfen: Das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung bereitet die Massnahme vor, berichten die CH-Media-Zeitungen. Noch gilt Tempo 120.

Darum gehts
- Vor Tempo 80 käme laut CH Media zuerst ein Sparaufruf an die Bevölkerung.
- Beim Diesel sind bereits Bezüge aus den Pflichtlagern bewilligt, bis 22. November.
- Benzin und Heizöl sind laut BWL sichergestellt, die Pflichtlager liegen über dem Soll.
Die Vorlage liegt in der Ämterkonsultation, also bei den anderen Bundesstellen zur Stellungnahme. Ein Sprecher des Bundesamts begründet den Schritt laut den CH-Media-Zeitungen damit, dass die Massnahme vorbereitet sein solle. Die Zeitungen hatten am Samstag, 24. Oktober, zuerst darüber berichtet.
Entschieden ist noch nichts. Verordnen könnte eine Temporeduktion auf Autobahnen und Autostrassen laut BWL der Bundesrat.
Erst Fahrgemeinschaften, dann Tempo 80
Bevor das Tempo sinken würde, setzt der Bund auf freiwilliges Sparen. Geplant sind laut watson Appelle für Fahrgemeinschaften, weniger Freizeitverkehr und den Umstieg auf Bahn und Bus.
Das BWL selbst führt auf seiner Website freiwilliges Energiesparen, sparsames Fahren und Temporeduktionen als mögliche Massnahmen des Bundesrats auf. Kontingente oder Rationierungen sind konzeptionell vorbereitet, als letzte Stufe für eine erhebliche, länger dauernde Unterversorgung. Eine Umsetzung gilt dort aber als eher unwahrscheinlich.
Wie viel Treibstoff Tempo 80 kurzfristig sparen würde und unter welchen Bedingungen es gelten würde, ist laut watson noch unklar. Einen Anhaltspunkt liefert die Internationale Energieagentur: In ihrem Plan gegen Ölknappheit vom März 2022 stand an erster Stelle, das Autobahntempo um mindestens 10 km/h zu senken. Allein bei Autos liessen sich so in den untersuchten Ländern zusammen rund 290'000 Fass Öl pro Tag sparen, schätzte die IEA damals.
Pipeline, Golf, Rhein: Warum die Lage angespannt ist
Das BWL bezeichnet die Lage bei allen Mineralölprodukten als «angespannt und fragil». Mehrere Probleme treffen laut watson gleichzeitig zusammen: Starkregen in Südfrankreich verzögert Lieferungen per Pipeline, der Irankrieg macht die Lage am Persischen Golf instabil, die Rheintalbahn war wiederholt gesperrt, und der Rhein führt sehr wenig Wasser.
Vom 23. Oktober bis 22. November dürfen bis zu 45 Millionen Liter Diesel aus den Pflichtlagern bezogen werden. Das ist knapp jeder 25. Liter des aktuellen Diesel-Pflichtlagers. Auch beim Flugpetrol sind Bezüge bewilligt, bis zum 1. November.
Es ist nicht der erste Griff in die Reserve. Schon vom 8. bis 20. September hatte das BWL Bezüge von je bis zu 30'000 Kubikmetern Diesel und Benzin bewilligt.
Diesel kostete Mitte Oktober 67 Rappen mehr als im Januar
Teuer ist das Tanken schon jetzt. Ein Liter Diesel kostete laut TCS am 16. Oktober im Landesschnitt Fr. 2.45, am 1. Januar waren es noch Fr. 1.78.
Bei Bleifrei 95 lag der Preis zuletzt bei Fr. 2.16, gut einen halben Franken über dem Jahresbeginn. Seit Mitte September bewegen sich beide Sorten auf diesem hohen Niveau.
1973 gab es autofreie Sonntage
Neu ist die Idee nicht. Schon in der Ölkrise 1973 ordnete der Bundesrat laut watson autofreie Sonntage an, auf den Autobahnen galt damals höchstens Tempo 100.
Politisch lag Tempo 80 in diesem Jahr schon einmal auf dem Tisch: Laut watson verlangten die Grünen die Begrenzung bereits Anfang Jahr, nach Beginn des Irankriegs. Zuständig für die Landesversorgung ist heute Wirtschaftsminister Guy Parmelin (SVP).
Quellen
- 1.Aargauer Zeitung / CH Media
- 2.Blick
- 3.zentralplus
- 4.watson
- 5.BWL – Versorgungslage
- 6.BWL – Medien
- 7.BWL – Massnahmen Energie
- 8.BWL – Medienmitteilung vom 8. September 2026 (Bezüge aus Pflichtlagern)
- 9.TCS – Benzinpreis Schweiz: Entwicklung
- 10.IEA – A 10-Point Plan to Cut Oil Use (März 2022)
- 11.Wikimedia Commons – A1 beim Flughafen Genf
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