Trump, Kushner, Friedenspreis: Europa stellt dem Walliser Fifa-Boss 42 Fragen
Die UEFA setzt der Fifa von Gianni Infantino eine Frist: Bis am 2. November soll sie 42 Fragen beantworten. Es geht um mutmassliche Interessenkonflikte von Präsident Gianni Infantino, einen geplatzten Teilverkauf der WM und seine Beziehungen zur Trump-Familie. Das berichten ESPN, BBC und Sky News.

Darum gehts
- Die UEFA lehnt Infantinos Wiederwahl ab. Einen bestätigten Gegenkandidaten hat er bisher nicht.
- 20 Milliarden Dollar: Infantino bot einen Teil der WM einer Firma an, die ein Kushner-Bruder führt.
- Die UEFA fragt auch nach einem Telefonat zwischen Trump und Infantino wegen einer Roten Karte.
- Am 18. November endet die Kandidaturfrist für die Wahl des Fifa-Präsidenten im März 2027.
Der Brief ist auf den 19. Oktober datiert. UEFA-Generalsekretär Theodore Theodoridis hat ihn an seinen Fifa-Amtskollegen Mattias Grafström geschickt. ESPN hat das Schreiben eingesehen, auch BBC und Sky News berichten übereinstimmend darüber.
Zu jeder einzelnen Frage verlangt die UEFA eine ausführliche schriftliche Antwort. Bis zur gleichen Frist soll die Fifa laut BBC wichtige Dokumente zu ihrer Führung und zu ihren Entscheidungsprozessen herausgeben.
20 Milliarden Dollar und ein Kushner-Bruder
Ein Fragenblock dreht sich um das Projekt «Fifa Forward Enterprise» (FFE). Infantino wollte damit 20 Milliarden Dollar beschaffen, indem er einen Teil der WM verkauft. Angeboten wurde der Anteil Thrive Capital, einer Private-Equity-Firma. Geführt wird sie von Josh Kushner, dem Bruder von Trumps Schwiegersohn Jared Kushner.
Die UEFA will wissen, wer Thrive ein Exklusivrecht gegeben hat, ohne den Fifa-Rat zu konsultieren. Und wann und von wem die FFE-Idee überhaupt zuerst eingebracht wurde.
Inzwischen hat die Fifa den Plan zurückgezogen, Fehler eingeräumt und mögliche Reformen ihrer Führung angekündigt. Der UEFA reicht das nicht: Wie die Entscheide zustande kamen, sei damit nicht erklärt. Die bisherigen Erklärungen hätten noch nicht begonnen, eine Reihe grundlegender Fragen der Ratsmitglieder zufriedenstellend zu beantworten, schreibt Theodoridis laut ESPN.
Ein Friedenspreis und ein Anruf wegen Balogun
Trump selbst taucht im Fragenkatalog gleich mehrfach auf. Die Fifa hat einen eigenen Friedenspreis geschaffen und ihn dem US-Präsidenten verliehen; auch dazu will die UEFA Auskunft.
Heikler ist die Sache mit Folarin Balogun. Nach seiner Roten Karte an der WM ging es um deren Aufhebung, und dazu gab es laut dem UEFA-Brief ein Telefonat zwischen Trump und Infantino. Die UEFA fragt nun, was Trump in diesem Gespräch von Infantino verlangt hat.
16 Tage vor dem Ende der Kandidaturfrist
Die Frist fällt in die Zeit vor der Wahl. Am 18. März 2027 wählt der Fifa-Kongress in Rabat (Marokko) seinen Präsidenten, Kandidaturen sind bis am 18. November möglich. Einen bestätigten Gegenkandidaten hat Infantino bisher nicht. Europas Verbände suchen laut 20 Minuten einen, genannt wird sogar David Beckham.
Die UEFA hatte zuvor mit einem Boykott von Fifa-Wettbewerben gedroht. Sie zog die Drohung zurück, als die Fifa versprach, dass sich ein Plan wie FFE nicht wiederholt. Infantinos Führung und seine Wiederwahl lehnt sie aber weiterhin ab.
Der Streit spielt sich vor der Schweizer Haustür ab: Die Fifa hat ihren Sitz in Zürich, Infantino stammt aus Brig VS. Eine Stellungnahme der Fifa lag zunächst nicht vor.
Quellen
- Fifa
- UEFA
- Gianni Infantino
- Donald Trump
- WM
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