Mindestens 14 Tote in Goldmine: Das ist über das Unglück in Kolumbien bekannt
Beim Einsturz einer Goldmine im Südwesten Kolumbiens sind am Montag mindestens 14 Bergleute gestorben, sieben wurden verletzt. Laut dem Büro des Gouverneurs hielten unwegsames Gelände und kriminelle Gruppen die Retter auf.
Darum gehts
- Das Unglück geschah bei Santa Bárbara de Iscuandé in Nariño, einem Departement an der Grenze zu Ecuador.
- In Nariño starben in weniger als drei Monaten 27 Menschen bei zwei Mineneinstürzen.
- Laut «New York Times» gibt es in Kolumbien immer mehr Gruben ohne Bewilligung.
- Laut WWF (2021) stehen vier der sieben weltweit grössten Goldraffinerien in der Schweiz.
Die neue Opferzahl nannte Alex González, Sekretär für Frieden und Sicherheit des Departements Nariño, im kolumbianischen Fernsehsender Caracol. Die Angaben der Behörden verbreiten Euronews und die Nachrichtenagentur AFP.
Nach Überlebenden wird nicht mehr gesucht. Die Suche wurde laut den Behörden am Montagabend Ortszeit abgeschlossen.
«Ganze Familien haben bei diesem bedauerlichen Unglück ihr Leben verloren. Es ist sehr traurig», sagte Gouverneur Luis Alfonso Escobar.
«Familias enteras han perdido la vida en este lamentable accidente. Es muy triste.»
Ombudsstelle wandte sich direkt an die bewaffneten Gruppen
Das Büro des Gouverneurs nennt zwei Gründe, warum die Retter nur mit Mühe vorankamen: das schwierige Gelände und kriminelle Gruppen, die in der Gegend präsent sind.
Euronews beschreibt Nariño als Hochburg des illegalen Bergbaus. Bewaffnete Gruppen kontrollieren dort den verdeckten Goldhandel, schmuggeln Drogen und erpressen Menschen.
Die nationale Ombudsstelle, die Defensoría del Pueblo, rief diese Gruppen öffentlich auf, die Rettung zu ermöglichen. «Alle unsere Anstrengungen müssen darauf ausgerichtet sein, Leben zu schützen und diesen Notfall zu bewältigen», schrieb sie auf X.
«Esta emergencia pone de nuevo de manifiesto los riesgos asociados a la minería informal.»
Der steigende Goldpreis treibt den riskanten Abbau
Euronews und FAZ bezeichnen die Mine als illegal, die «New York Times» als Grube ohne Bewilligung. Die Departementsregierung selbst spricht von informellem Bergbau: «Dieser Notfall zeigt einmal mehr die Risiken des informellen Bergbaus.»
Antrieb für die vielen Gruben ohne Bewilligung ist laut der «New York Times» der Goldpreis, der auf dem Weltmarkt steigt. Eine Quelle im Büro des Gouverneurs beschreibt die Lage vor Ort so: Der traditionelle Kleinbergbau sei fast verschwunden, den Gemeinden bleibe nur noch der hochriskante Abbau.
Gouverneur Escobar fordert laut FAZ, den Kleinbergbau zu legalisieren.
«Todos nuestros esfuerzos deben estar encaminados a proteger la vida y atender esta emergencia.»
Im August starben 13 Menschen bei Policarpa
Am 19. August 2026 stürzte bei Policarpa, ebenfalls in Nariño, laut der kolumbianischen Zeitung «Vanguardia» eine Böschung ein und verschüttete eine Gruppe von Bergleuten, die dort handwerklich Gold abbauten. 13 Menschen starben, 7 wurden verletzt. Die Zahlen bestätigte damals Gabriel Ocaña, Leiter des Katastrophenschutzes in Nariño.
Die Schweiz ist ein Schwergewicht im Goldhandel
Wie viel des Welt-Goldes durch die Schweiz geht, darüber gehen die Zahlen auseinander. Die Umweltorganisation WWF schätzte 2021, die Schweiz nehme bis zu 70 Prozent des weltweit abgebauten Goldes ab. Laut einer Auswertung von SWI swissinfo.ch vom November 2025 ist diese oft zitierte Zahl eine Branchenschätzung aus dem Jahr 2012.
Swissinfo selbst kommt auf rund einen Drittel des neu abgebauten Goldes, das in der Schweiz raffiniert wird. Mit Recycling-Gold liegt der Anteil je nach Marktlage zwischen einem Drittel und der Hälfte.
Auch Kolumbien liefert: 2025 exportierte das Land Rohgold im Wert von 317,3 Millionen US-Dollar in die Schweiz. Gold ist damit Kolumbiens wichtigstes Exportgut in die Schweiz. Das zeigen Zahlen der kolumbianischen Steuer- und Zollbehörde DIAN, ausgewertet vom Exportverband Analdex.
Die Unglücksregion spielt in diesen Zahlen keine sichtbare Rolle. Fast alle Exporte in die Schweiz kamen aus dem Departement Antioquia, 318,9 von insgesamt 358,8 Millionen Dollar. Nariño taucht unter den wichtigsten Herkunftsregionen nicht auf.
Wohin das Gold aus der eingestürzten Mine bei Santa Bárbara de Iscuandé ging, ist nicht bekannt.
Metalor stieg 2019 aus dem Kleinbergbau aus
Eine Schweizer Raffinerie hat Gold aus kolumbianischem Kleinbergbau schon vor Jahren aufgegeben. Die Neuenburger Firma Metalor kündigte im Juni 2019 an, kein Gold mehr aus Kleinbergbau zu kaufen, auch nicht mehr in Kolumbien. Als Grund nannte sie die steigenden Kosten, um sicherzustellen, dass kleine Minen Menschenrechts- und Umweltstandards einhalten.
2023 warf das Hilfswerk Fastenaktion der Tessiner Raffinerie Argor-Heraeus vor, bei Gold des Minenbetreibers Mineros aus Antioquia ihre erhöhte Sorgfaltspflicht verletzt zu haben. Argor-Heraeus sei in diesem Gebiet die grösste Abnehmerin von Mineros. Das Unternehmen widersprach ausdrücklich: Es beziehe Gold ausschliesslich aus Quellen, die nach geltenden Standards arbeiten.
Die Zitate in diesem Artikel sind sinngemäss aus dem Spanischen übersetzt.
Quellen
- 1.Euronews (englisch, mit AFP)
- 2.Euronews (spanisch)
- 3.New York Times
- 4.FAZ
- 5.Vanguardia (Unglück August 2026)
- 6.SRF (WWF zum Schweizer Goldhandel, 2021)
- 7.SWI swissinfo.ch (Schweiz als Gold-Drehscheibe, 17.11.2025)
- 8.Analdex (Exportverband Kolumbien, DIAN-Zahlen 2025)
- 9.SWI swissinfo.ch (Metalor, 18.6.2019)
- 10.SRF (Fastenaktion / Argor-Heraeus, 15.11.2023)
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