Der Einpersonenhaushalt schlägt die Familie: 1,5 Millionen Haushalte mit nur einer Person
Wer allein wohnt, lebt in der häufigsten Haushaltsform der Schweiz: Mehr als jeder dritte Haushalt besteht aus einer einzigen Person, 2025 sind es rund 1,5 Millionen. Bis 2055 dürften laut einem Szenario des Bundesamts für Statistik rund 400'000 dazukommen.
KI-SymbolbildDarum gehts
- 1930 lebten im Schnitt 4,1 Personen in einem Haushalt, 2025 sind es noch 2,2.
- Der Einpersonenhaushalt ist die häufigste Haushaltsform, klar vor dem Paar mit Kindern.
- Luzern, Wallis, St. Gallen, Thurgau, Waadt: Dort dürfte die Zahl bis 2055 um über 35 Prozent steigen.
- Städte vorne: In Basel lebt in fast jedem zweiten Haushalt nur eine Person (49 %), in Zürich 45 %.
Wie schnell sich das verschiebt, zeigen die letzten zehn Jahre. Von 2014 bis 2024 stieg die Zahl der Haushalte in der Schweiz von 3,6 auf 4,1 Millionen. Am stärksten wuchsen die Einpersonenhaushalte, um 21 Prozent.
Die Zweipersonenhaushalte folgen mit plus 12 Prozent. Bei Haushalten mit drei bis fünf Personen tat sich kaum etwas, sie legten um 1 Prozent zu. Grosshaushalte mit sechs und mehr Leuten wurden sogar seltener: minus 7 Prozent.
«Nach dem Tod eines Ehepartners wohnt die überlebende Person oft allein.»
Basel vorne: In den Städten fast jeder zweite Haushalt
Den Graben zwischen Stadt und Land hat die Fachstelle für Daten und Statistik des Kantons Zug mit der BFS-Statistik STATPOP ausgewertet. Ende 2024 bestanden in Basel 49 Prozent der Privathaushalte aus nur einer Person, in Zürich 45 Prozent. Bern, Luzern und Genf liegen dazwischen.
Selbst innerhalb eines kleinen Kantons ist der Unterschied gross. In der Stadt Zug besteht mehr als jeder dritte Haushalt aus einer Person (37 Prozent), in Hünenberg und Neuheim ist es rund jeder vierte.
Nach dem Tod des Partners oft allein
Raymond Kohli von der Sektion Demografie und Migration im Bundesamt für Statistik hat seine Analyse der Entwicklung im März in der Fachzeitschrift «Die Volkswirtschaft» veröffentlicht, gestützt auf die Bevölkerungsstatistik und die Haushaltsszenarien des BFS. Ein wichtiger Treiber ist demnach die Alterung: Viele Einpersonenhaushalte sind ältere Menschen.
«Nach dem Tod eines Ehepartners wohnt die überlebende Person oft allein», schreibt Kohli. Die höhere Lebenserwartung und die grossen Babyboomer-Jahrgänge verstärken den Anstieg.
Wie gross diese Gruppe ist, zeigt eine Analyse der Hochschule Luzern: Hinter jeder achten Wohnungstür der Schweiz lebt eine über 65-jährige Person allein, insgesamt rund eine halbe Million Haushalte. Mit dem Alter steigt der Anteil stetig, bei den über 85-Jährigen wohnt mehr als die Hälfte allein.
Die zweite grosse Gruppe in den kleinen Haushalten sind laut BFS junge Erwachsene. Dazu kommt ein weiterer Faktor: Längere Ausbildungen und eine hohe berufliche Mobilität dürften die Geburtenhäufigkeit tief halten. Weniger Kinder bedeuten kleinere Haushalte.
Freiburg: 1930 noch fünf Personen pro Haushalt
Wie gross der Wandel ist, zeigt der Kanton Freiburg. 1930 lebten dort im Schnitt 5,0 Personen in einem Haushalt, fast eine mehr als im Schweizer Schnitt (4,1). 2025 sind es noch 2,3, kaum mehr als im Schweizer Durchschnitt.
Ganz verschwunden ist der Unterschied nicht. Fast jeder dritte Freiburger Haushalt ist ein Paar mit Kindern (32,0 Prozent), schweizweit ist es rund jeder vierte (24,7 Prozent).
2024 machten Einpersonenhaushalte in Freiburg 33,8 Prozent aus, weniger als im Schweizer Schnitt. Trotzdem sind sie laut dem kantonalen Statistikamt auch dort die häufigste Haushaltsform.
2055: Vier von zehn Haushalten mit nur einer Person
Bis 2055 dürfte die Zahl der Einpersonenhaushalte laut BFS-Szenario auf rund 1,9 Millionen wachsen, ein Plus von 26 Prozent. Ihr Anteil an allen Haushalten steigt damit auf 40 Prozent.
In den fünf Kantonen, für die das BFS mit über 35 Prozent rechnet, dürfte die Gruppe also klar schneller wachsen als im Landesschnitt. Gleichzeitig geht das Szenario für die ganze Periode von mehr Todesfällen als Geburten aus. Wachsen würde die Bevölkerung damit nur noch durch Zuwanderung.
Weniger freie Wohnungen, kleinere Haushalte
Parallel dazu wird der Wohnraum knapp. Am 1. Juni 2026 standen in der Schweiz 45'493 Wohnungen leer, die Leerwohnungsziffer fiel damit innert Jahresfrist von 1,00 auf 0,93 Prozent. Am stärksten ging der Leerstand bei den Zweizimmerwohnungen zurück.
Pro Person zählte das BFS Ende 2024 im Schnitt 46,6 Quadratmeter Wohnfläche. Mehr als die Hälfte der bewohnten Einfamilienhäuser war nur von einer oder zwei Personen belegt. Rund ein Drittel der über 65-Jährigen, die allein wohnen, lebt laut der Hochschule Luzern in einer Wohnung mit mindestens 100 Quadratmetern.
Mehr Haushalte, kleinere Haushalte, weniger freie Wohnungen: Wie viel Wohnraum braucht ein Land, in dem immer mehr Haushalte nur eine Person zählen?
Quellen
- 1.Die Volkswirtschaft / BFS (Raymond Kohli): Immer mehr Einpersonenhaushalte in der Schweiz, 6. März 2026
- 2.Kanton Freiburg, Amt für Statistik und Daten: Familien und Haushalte
- 3.Kanton Zug, Fachstelle für Daten und Statistik: Zusammenleben im Kanton Zug am häufigsten im Kleinhaushalt, 18. September 2025
- 4.Die Volkswirtschaft / HSLU (Ivo Willimann, Silke Zöllner): Ältere Menschen wohnen grosszügiger – und einsamer, 6. Mai 2024
- 5.Bundesrat / BFS: Gebäude- und Wohnungsstatistik 2024, 22. September 2025
- 6.WBF / BFS: Leerwohnungsziffer fällt unter 1 Prozent, 10. September 2026
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