Das musst du wissen: Die Armutsgrenze lag 2024 für Einzelpersonen im Schnitt bei 2388 Franken
Rund 175'000 Menschen in der Schweiz hatten 2024 Arbeit und lebten trotzdem unter der Armutsgrenze. Insgesamt waren rund 743'000 Menschen einkommensarm. Morgen, Samstag, ist der internationale Tag gegen Armut.
KI-SymbolbildDarum gehts
- Als arm gilt eine Einzelperson, die nach Krankenkasse, Steuern und Pflichtausgaben weniger als die Armutsgrenze übrig hat: 2024 im Schnitt 2388 Franken im Monat.
- In der Schweiz waren Kinder 2024 vergleichsweise selten benachteiligt: 4,9 Prozent, in Deutschland waren es 11,3 Prozent.
- Kinder von Alleinerziehenden waren 2024 viermal so oft benachteiligt wie Kinder von Paaren.
- 6,5 Prozent der Kinder in der Schweiz konnten nicht einmal eine Woche in die Ferien fahren.
Unter den Erwerbstätigen lag die Armutsquote 2024 bei 4,3 Prozent. Über die ganze Bevölkerung gerechnet waren es 8,4 Prozent, also etwa jede zwölfte Person.
Die Zahlen stammen aus der Erhebung über die Einkommen und Lebensbedingungen (SILC) des Bundesamts für Statistik (BFS). Veröffentlicht hat das BFS sie im Februar 2026.
Ein Jahr zuvor lag die Quote bei 8,1 Prozent, betroffen waren rund 708'000 Menschen. Laut BFS hat sich die Quote gegenüber den Vorjahren nicht signifikant verändert.
Den Tag gegen Armut begeht die UNO jedes Jahr am 17. Oktober. Für 2026 legt sie den Fokus auf «Safe Homes for All», ein sicheres Zuhause für alle.
So rechnest du nach
Die Grenze ist kein Lohn. Gemessen wird das verfügbare Haushaltseinkommen: Krankenkassenprämien, Steuern und die übrigen obligatorischen Ausgaben sind bereits abgezogen. Wer den eigenen Lohnausweis danebenlegt, muss diese Posten also zuerst abziehen.
Für zwei Erwachsene mit zwei Kindern lag die Grenze bei 4159 Franken im Monat. Beide Beträge sind Durchschnittswerte für die ganze Schweiz.
Die Grenze richtet sich nach den Richtlinien der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe (SKOS) und wächst mit den Kosten. Seit 2022 kamen für eine Einzelperson rund 100 Franken pro Monat dazu, weil die SKOS den Grundbedarf an die Teuerung angepasst hat und das Wohnen teurer wurde.
Wer besonders oft betroffen ist
Besonders oft einkommensarm waren Menschen, die allein leben oder in einem Einelternhaushalt. Zu den stark betroffenen Gruppen zählt das BFS ausserdem Personen ohne Ausbildung nach der obligatorischen Schule, Personen in Haushalten, in denen niemand erwerbstätig ist, sowie ausländische Personen ost- oder aussereuropäischer Herkunft.
Teilzeit verdoppelt das Risiko
Arm trotz Job ist kein neues Phänomen. Bei den Erwerbstätigen lag die Armutsquote in den letzten zehn Jahren bei etwa 4 Prozent, schreibt Anna Koukal, die beim Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) das Nationale Armutsmonitoring leitet.
Eine Rolle spielt das Pensum. 2023 lag die Armutsquote von Teilzeit-Erwerbstätigen bei 5,8 Prozent und war damit doppelt so hoch wie bei Vollzeit-Erwerbstätigen mit 2,8 Prozent. Insgesamt lebten in jenem Jahr rund 168'000 Erwerbstätige trotz Arbeit in Einkommensarmut.
Kinder: Die Schweiz gehört zu den Besten Europas
Bei Kindern misst das BFS zusätzlich, was im Alltag fehlt. Als benachteiligt gilt ein Kind unter 16 Jahren, wenn es aus finanziellen Gründen in mindestens drei von 17 wichtigen Lebensbereichen zurückstehen muss.
In der Schweiz traf das 4,9 Prozent der Kinder. Österreich lag mit 9,0 Prozent fast doppelt so hoch, Deutschland mit 11,3 Prozent mehr als doppelt so hoch. Der europäische Durchschnitt betrug 13,6 Prozent.
Am tiefsten war die Quote in Kroatien, am höchsten in Griechenland: Dort war jedes dritte Kind benachteiligt.
Neben den Ferien fehlte auch anderes: 2,8 Prozent der Kinder konnten kein Fest zum Geburts- oder Namenstag feiern.
Das grosse Aber: Kinder von Alleinerziehenden
In Einelternhaushalten waren 14,1 Prozent der Kinder benachteiligt, in Paarhaushalten 3,4 Prozent. Kinder von Alleinerziehenden lagen damit sogar über dem europäischen Durchschnitt aller Kinder.
Ähnlich sah es bei tiefen Einkommen aus: Im untersten Fünftel der Einkommensverteilung war jedes siebte Kind betroffen.
Anspruch auf Sozialhilfe, aber kein Antrag
Nicht alle, die Anspruch auf Sozialhilfe hätten, holen sie auch ab. Die Nichtbezugsquote liegt zwischen rund 20 und 40 Prozent, schreiben zwei BSV-Fachleute Ende September in «Die Volkswirtschaft». Die Spanne stammt aus Schätzungen mehrerer Kantone, die dafür Steuer- und Verwaltungsdaten verknüpft haben.
In Basel-Stadt verzichteten 2022 laut einer Studie der Berner Fachhochschule 26 Prozent der Berechtigten auf Sozialhilfe, bei den Ergänzungsleistungen zur AHV waren es 32 Prozent. Bei der Sozialhilfe liegt Basel laut Kanton damit deutlich tiefer als die bisher untersuchten Kantone.
Gründe zeigt eine Umfrage: In der SILC-Erhebung 2023 sagte rund jede vierte Person im Erwerbsalter ohne Rente, sie würde bei Anspruch wahrscheinlich oder bestimmt keine Sozialhilfe beantragen. Am häufigsten nannten die Befragten den Wunsch, unabhängig zu bleiben. Genannt werden auch die Pflicht zur Rückzahlung und ausländerrechtliche Folgen wie eine Rückstufung oder der Verlust des Aufenthaltsrechts.
Wer den Antrag stellt, zögert oft: 37 Prozent der Sozialhilfebeziehenden geben an, vorher gezögert zu haben. Am häufigsten zum Verzicht neigt ausgerechnet das einkommensschwächste Zehntel der Bevölkerung.
Quellen
- 1.BFS/EDI, Medienmitteilung vom 16. Februar 2026 (SILC 2024)
- 2.BFS, Medienmitteilung vom 31. März 2025 (SILC 2023)
- 3.UNO, International Day for the Eradication of Poverty
- 4.Soziale Sicherheit CHSS (BSV), Anna Koukal: «Armut in der Schweiz besser verstehen», 26. November 2025
- 5.Die Volkswirtschaft, Anna Koukal und Philipp Dubach (BSV): «Wer verzichtet auf Sozialhilfe – und warum?», 30. September 2026
- 6.Kanton Basel-Stadt (WSU), Medienmitteilung vom 12. Februar 2026: Neue Studie zum Nichtbezug von Sozialleistungen (BFH)
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