23,7 Kilo Käse pro Kopf: Das landet in der Schweiz öfter auf dem Teller
Mehr als ein Drittel des Käses auf Schweizer Tellern ist importiert. Und von Januar bis Juli 2026 kamen rund 5000 Tonnen mehr Käse ins Land, als hinausgingen.
KI-SymbolbildDarum gehts
- Pro Kopf assen wir 2025 23,7 Kilo Käse. Quark und Frischkäse legen zu, Hartkäse und Fondue verlieren.
- Rund 44 Prozent des Importkäses sind Frischkäse, grösster Lieferant ist Italien.
- Für Milchbauern laut SDA «keine gute Nachricht»: Quark braucht deutlich weniger Milch als Hartkäse.
Knapp 218'000 Tonnen Käse hat die Schweiz 2025 gegessen, Schweizer und importierten zusammengezählt. Das sind 7323 Tonnen mehr als im Jahr davor.
Die provisorischen Zahlen haben die Schweizer Milchproduzenten (SMP) und Switzerland Cheese Marketing Anfang April veröffentlicht. Der Inlandanteil von 63,3 Prozent ist seit drei Jahren weitgehend stabil.
Der Appetit wächst schneller als die eigene Produktion: Seit 2000 stieg der Käsekonsum in der Schweiz laut dem Landwirtschaftlichen Informationsdienst LID um rund 55 Prozent, die Produktion von Schweizer Käse nur um 28 Prozent.
«Der Juli 2025 hingegen war ein Ausreisser nach oben.»
Mozzarella in der Küche, Appenzeller am Apéro
Quark, Frischkäse und Halbhartkäse machen zusammen mehr als zwei Drittel des Käsekonsums aus. Und sie wachsen weiter: Laut der Nachrichtenagentur SDA stieg der Verbrauch bei Quark und Frischkäse um 6,2 Prozent, beim Halbhartkäse um 5,4 Prozent.
Die Milchproduzenten erklären das mit dem Kochverhalten. Mozzarella und andere Frischkäse landen öfter in warmen und kalten Gerichten, während Appenzeller und Tilsiter am Apéro beliebt bleiben.
Laut SDA legte auch der Extrahartkäse knapp zu, um 0,7 Prozent.
Hartkäse minus 7 Prozent, Fertigfondue weniger gefragt
Auf der Verliererseite stehen Hartkäse, Schmelzkäse und Fondue. Von allen dreien ass die Bevölkerung pro Kopf weniger als 2024, auch Fertigfondue verlor.
Beim Hartkäse beträgt das Minus laut SDA 7,1 Prozent. Noch stärker sank der Konsum von Schaf-, Ziegen- und Büffelkäse, um 8,2 Prozent.
Warum der Quark-Trend die Milchbauern trifft
Für die Bauern zählt am Ende die Milch, und da unterscheiden sich die Sorten. Ein Kilo Quark oder Frischkäse braucht 4 bis 10 Kilo Milch, ein Kilo Hartkäse 10 bis 13 Kilo.
Im Käsemix, den die Schweiz isst, steckt deshalb tendenziell weniger Milch. Der hohe Anteil von Quark und Frischkäse sei «keine gute Nachricht» für die Produzenten, zitiert die SDA aus der Mitteilung.
Italien liefert am meisten, Deutschland legt zu
80'368 Tonnen Käse hat die Schweiz 2025 eingeführt, etwas mehr als im Jahr davor. Den grössten Brocken macht Frischkäse aus, rund 44 Prozent der Importe.
Bei der eigenen Produktion steht ebenfalls ein Frischkäse zuoberst: Mozzarella, von dem Schweizer Betriebe 2024 laut Agrarbericht des Bundesamts für Landwirtschaft 24'978 Tonnen herstellten.
Wichtigster Lieferant war 2024 Italien mit 28'476 Tonnen, vor Deutschland und Frankreich. Auch im ersten Halbjahr 2026 kam laut Zahlen der Treuhandstelle Milch (TSM) der grösste Teil aus Italien, vor allem Grana Padano und Parmigiano Reggiano sowie Halbhartkäse.
Laut Switzerland Cheese Marketing wachsen die Importe vor allem aus Deutschland, und deutscher Käse ist billiger als die Schweizer Spezialitäten. Ein erheblicher Teil des Importkäses wird in der Nahrungsmittelindustrie und der Gastronomie verarbeitet.
Im Schnitt kam Importkäse 2025 für 7.15 Franken pro Kilo über die Grenze. Exportierter Schweizer Käse brachte laut LID knapp 9 Franken pro Kilo. Im Laden sind Milchprodukte in der Schweiz laut Agrarbericht ohnehin teurer als in den Nachbarländern.
Bis Juli 5000 Tonnen mehr rein als raus
Unter dem Strich ging 2025 noch etwas mehr Käse ins Ausland, als hereinkam: 81'084 Tonnen exportierte die Schweiz. Laut Keystone-SDA gehen fast 40 Prozent des Käses aus Schweizer Milch in mehr als 70 Länder.
Von Januar bis Juli 2026 sieht die Bilanz anders aus. Laut Zahlen der TSM Solutions kamen 49'550 Tonnen ins Land, 44'479 Tonnen gingen hinaus.
Allein im Juli brach der Export um rund 14 Prozent ein. Martin Spahr von Switzerland Cheese Marketing relativiert im Fachportal foodaktuell: Der Export liege auf dem Niveau der Jahre 2020 bis 2024. «Der Juli 2025 hingegen war ein Ausreisser nach oben.»
Der Gruyère, 2025 der wichtigste Exportkäse, bekam schon im letzten Jahr die US-Zölle zu spüren: Der Absatz in die USA sank laut der Sortenorganisation Interprofession du Gruyère um 17 Prozent. Den Rückgang hat der starke Absatz in der Schweiz grösstenteils ausgeglichen.
Bis Juli 2026 liegen die Gruyère-Exporte 1,8 Prozent unter dem Vorjahr. Beim Emmentaler sind es minus 10,5 Prozent.
Quellen
- 1.Schweizer Milchproduzenten SMP, Medienmitteilung vom 2. April 2026 (PDF)
- 2.yumda.com, Wiedergabe der SMP-Mitteilung
- 3.Südostschweiz / SDA: Pro Kopf 23,7 Kilogramm Käse
- 4.Südostschweiz / SDA: Käsekonsum steigt 2025 leicht an
- 5.Switzerland Cheese Marketing, Wirtschaft und Markt (Import- und Exporttabellen 2024/2025)
- 6.Bundesamt für Landwirtschaft, Agrarbericht: Milch und Milchprodukte
- 7.LID Landwirtschaftlicher Informationsdienst: Schweizer Käse behauptet sich im Markt
- 8.foodaktuell.ch: Käseexport 2024 (SCM-Mitteilung)
- 9.foodaktuell.ch: Käsehandel Januar bis Juni 2026 (Daten TSM)
- 10.foodaktuell.ch: Käsehandel Juli 2026 (Daten TSM Solutions)
- 11.blue News / Keystone-SDA: Käseexporte 2024
- 12.swissinfo.ch / Keystone-SDA: Gruyère und US-Zölle
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